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Jona

Zeitraum: 06.11.2010 - 06.11.2010  0:0 Uhr

Kleines Schauspielhaus

Noch in den 70er Jahren zählte er zu den meistgespielten deutschsprachigen Autoren; er galt – neben Heiner Müller – als bedeutendster Exponent der DDRDramatik. Seine extreme ideologische Positionierung nach der Wende und das seinen Werken anhaftende Etikett des Unzeitgemäßen ließen seinen Namen von den Spielplänen verschwinden: die Rede ist von Peter Hacks, dem Schüler Brechts, der mit seinem Projekt einer sozialistischen Klassik an Traditionslinien deutscher Dramatik in der Gegenwart spannungsreich anknüpfte. Mittlerweile – aber leider erst nach seinem Tode – zeigen sich zarte Triebe einer Hacks- Renaissance. Höchste Zeit, sich einem ungehobenen Schatz seiner Bühnenwerke zu widmen: Jona, ein Witz und Geist sprühendes “Trauerspiel” über ein an seiner “Staats-Schlaubergerei” untergehendes Gemeinwesen, die Macht der Lüge in der Diplomatie und die Idiotie außenpolitischer Ränkespiele. Ein Schlüsselstück im historischen Gewande, das deutsche Gegenwartsgeschichte auf gleichnishafte Weise zur Anschauung bringt – und das mit einem beachtlichen prophetischen Gespür. Jona (per Wal in Ninive landend) hat von Gott einen heiklen Auftrag erhalten. Er soll prüfen, ob die bei ihm in Ungnade gefallende Stadt dem Untergang geweiht ist. Jona sieht sich sogleich in ein undurchdringliches Netz aus politischen Intrigen und Komplotten durch die Herrscherin Semiramis verwickelt, die seinen Auftrag nicht gerade erleichtern. Indem sie ihren Staat in Kriegen und Bündnissen zwischen den Reichen Babel und Ararat hin- und herlaviert, führt Semiramis ihn an den Rand des Abgrunds. Hacks in geschliffenen Blankversen geschriebene Polit-Groteske weist erstaunliche Parallelen zum gegenwärtigen Zeitgeist auf.

Quelle: http://www.wuppertaler-buehnen.de/