| Zeitraum: | 30.05.2010 - 30.05.2010 16:30 Uhr |
Ein Höhepunkt in Schumann2010 ist der Auftritt des Collegium Cartusianums unter Peter Neumann: Im Sonnenwind am 30. Mai um 16.30 Uhr bringen sie gemeinsam mit dem Kölner Kammerchor Schumanns „Das Paradies und die Peri“ zur Aufführung.
Die Geschichte um die Peri, eines jener orientalischen Märchengeschöpfe, die durch Lüfte schweben und sich von Wohlgerüchen ernähren, kannte Schumann vermutlich schon als Kind, da der persische Sagenstoff im Verlag seines Vaters erschien, und er muss ihn schwer fasziniert haben: Als längst Erwachsener schuf er 1843 ein aus locker miteinander verwobenen, musikalischen Bildern bestehendes weltliches Oratorium – einem Bilderbuch ähnlich. Die Peri hat sich trotz ihres grundsätzlichen Gutseins versündigt und wurde aus dem Paradies ausgeschlossen. Schumann vertonte die teils von ihm und dem Lyriker Adolf Böttger stark veränderte Textgrundlage rund um das nach Erlösung suchende Geschöpf. Dabei überwiegt der melancholische Charakter des sich jeder Gattung entziehenden Werkes bis zu dem Punkt, als die Peri die Reuetränen eines Sünders einfängt. Mit dem Sujet wie mit der eingängigen Ausgestaltung der Musik traf Schumann den Nerv der Zeit. Die Orientsehnsucht und die damit einhergehende Idealisierung des Morgenlandes waren Erscheinungen des 19. Jahrhunderts, die sich in “Das Paradies und die Peri” außerordentlich gut mit der wieder erstarkenden Religiösität von Schumanns Zeitgenossen paart. In musikalisch einfacher, jedoch keinesfalls banaler Weise, gelingt es Schumann, die wichtigsten Punkte der christlichen Heilslehre auf Orientteppichen, in Türmchen reichen Palästen und neben seichten, kristallklaren Gewässern unter Palmen zu erzählen.
Das aufgrund Schumanns psychischer Erkrankung oftmals missachtete Spätwerk – zu dem dieses Oratorium gehört – findet im Rahmen von Schumann2010 die verdiente Beachtung, derer sich zunehmend mehr und mehr namhafte Interpreten und Dirigenten bewusst werden.
Peter Neumann, Meister oratorischer Aufführungen, kommt mit seinem eigenen Orchester, dem Collegium Cartusianum und dem angeschlossenen Kölner Kammerchor am 30. Mai in den Sonnenwind, um Schumanns Weg der Poesie zu gehen, und im Schumann-Jahr 2010 einen der zu seiner Lebzeit größten Erfolge wieder auferstehen zu lassen.
Quelle: http://www.tonhalle.de/




