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Interview mit Martina Kessel // Take-off-Festival

„Ich wollte immer Tänzerin werden!“

Das tanzhaus nrw – Hier entsteht jedes Jahr Tanzkultur für alle, besonders auch für Jugendliche. Und wer ist der organisatorische Kopf hinter dem Jugendprojekt „Take-off“? Martina Kessel!

Wenn man das tanzhaus nrw betritt, möchte man gleich am liebsten selbst loslegen. Seine Körperteile rhythmisch zu den Klängen aus den Tanzsälen schwingen. Man lugt immer wieder in die kleinen Fenster hinein, fasziniert von den tanzenden Leuten. Am Ende des Ganges bei den Treppen zu den Büros begegne ich Martina Kessel. Schnell geht´s nach oben. Erst müsse sie kurz etwas klären. Ganz leger ist sie gekleidet. Sie trägt eine Jeans, ein grünes T-Shirt und eine graue Strickjacke. Die Haare sind dabei locker zu einem Zopf gebunden. Lässig sitzt sie auf dem Stuhl, die Hände sind am Stuhlrücken angelehnt, die Beine überkreuzt. Sie wirkt entspannt; offen für unser Gespräch.

Seit 2003 arbeitet Martina Kessel für das tanzhaus nrw. Seit sechs Jahren ist sie die Projektkoordinatorin von „Take-off: Junger Tanz“. Ein Projekt, das Kinder und Jugendliche auf verschiedenen Wegen zur Tanzkultur führt. Im Moment läuft in diesem Rahmen ein Festival. Die unterschiedlichsten Vorführungen sind für jede Altersklasse dabei. Sie hält ein Programmheft in der Hand.

Wer hier arbeitet muss doch eine besondere Bindung zum Tanz haben? Ja, das hat Martina. Seit ihrem achten Lebensjahr tanzte sie unter anderem im Vorläufer des Tanzhauses – der Werkstatt. Sie fing sogar an, Tanz an den Akademien in Rotterdam und Essen zu studieren. „Ich wollte immer Tänzerin werden“, sagt sie locker. Doch das Studium war ihr zu „handwerklich, meint sie nachdenklich. Sie vermisste den künstlerischen Anspruch.

Deshalb brach sie ihr Studium im Bereich des Tanzes ab und entschied sich für ein Studium der Ethnologie und Islamwissenschaft in Köln. Arbeitete hinterher als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Göttingen und Köln bis sie letztendlich zum Tanzhaus kam. Hier kümmert sie sich um Take-off. Arbeitet viel mit den Theatern und Künstlern zusammen. Reist, schaut sich Stücke an und entscheidet, welche im Tanzhaus als Kinder- und Jugendstücke aufgeführt werden. Routine kennt sie kaum: „Ich fahre jeden Tag den Rechner hoch“. Sonst sei es sehr flexibel, vielseitig und man müsse mehr als 40 Stunden die Woche in die Arbeit investieren. Doch für sie steckt „viel Sinn dahinter“ und es gibt ihr ein „gutes Gefühl“. Desweiteren ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied im „Bundesverband Tanz in Schulen e.V.“, war letztes Jahr Mitkuratorin beim Festival „Augenblick Mal!“ und ist Mitherausgeberin eines Buches über die Erfahrungen von Tanz mit Kindern und Jugendlichen.

Mit ihrer Arbeit möchte sie überzeugen; das Projekt größer machen. Mehr Angebote für die Tanzkultur für junge Menschen finden. Einfach die Tanzkunst fördern.

Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich um ihren 18-jährigen Sohn. Lachend sagt sie: „Für ihn darf ich kochen, aber das tue ich gerne“. Dabei spielt sie mit den Fingern an ihrem Kragen. Fängt ein wenig an nachzudenken. Sonst trifft sie sich mit Freunden, geht joggen, verbringt Zeit mit ihren Nachbarn, schläft liebend gern aus und genießt gute Bücher in der Badewanne. Gerne welche über andere Kulturen. Auch liebt sie Museumsbesuche. Kann vor allem das Rautenstrauch-Joest-Museum empfehlen.

Das Schönste, was ihr in ihrer Arbeit immer wieder passiert, sind die Festivals. „Dann feiert man, was man macht“. Ungern mag sie Absagen, vor allem die ohne Feedback. Schlimmer noch fand sie es, letztes Jahr eine Aufführung aufgrund von den hohen Schneemassen ausfallen lassen zu müssen. Aber mit solchen Situationen müsse man umgehen können.

„Das könnte ich gar nicht so genau sagen“, meint sie nachdenklich und ein wenig nach Worten suchend zu der Frage: „Was macht sie lieber? Die wissenschaftliche Arbeit oder die Arbeit mit dem Tanzhaus?“ Dennoch mache das Tanzhaus mehr Spaß, denn die wissenschaftliche Arbeit könne manchmal einsam sein. Doch falls sie die Möglichkeit hat, sich einen Traum zu erfüllen, würde Martina gerne eine Feldforschung im Bereich der Ethnologie machen.

Ob sie ewig im Tanzhaus bleibt, weiß sie nicht. Für neues ist sie immer offen. Aber die Arbeit macht ihr Spaß und hat einen Sinn. Mit ihren Kollegen versteht sie sich sehr gut. Trotzdem denkt sie, dass Hinterfragen immer gut und wichtig sei. „Macht es Sinn, wenn ich älter werde und dann immer noch diese Arbeit für junge Menschen mache?“ Das ist die Frage, die sie beschäftigt. Aber immer mit einem Lächeln im Gesicht.

Bianca Weigelt

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