Fotos von Fabio Borquez // RLT // 19.06.11
In den Händen von Morpheus
Unter dem Name „In den Händen von Morpheus“ stellt der Neusser Fotograph Fabio Borquez noch bis zum 29. Juni einige seiner Fotografien im Rheinischen Landestheater Neuss aus. Die Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern der Gymnasien Norf und Marie-Curie und beschäftigen sich alle mit dem Thema „Traum“, wie schon der Ausstellungsname vermuten lässt Morpheus, der griechische Gott des Traums und des Todes: Oh ja, dieser Name passt wie die Faust auf’s Auge oder besser, wie die Klinge in den Bauch, denn mit rosarotem Zuckerwattetraum hat keines der Arrangements etwas gemein. Ein Querschnitt durch das furchterregendste Horrorkabinett, Alptraum statt Erholungsschlaf. Wenn jemand tatsächlich solche Träume hat, dann sollte er vielleicht therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Da hätten wir Särge und Atommeiler und tote Fische im verseuchten See, Atemschutzmasken, Blut, Kreuze … Da wäre Jennifer Gehring, deren Bilder unter dem Titel „Gullveig-Goldrausch“ eine Luftballonparty zeigen, auf der die „Gäste“ Strumpfmasken tragen und dabei die völlig verängstigte Gastgeberin schier bedrängen. Oder Karol Pryk, die ein Hähnchen in einem Käfig, venezianische Masken und einen Haufen blutverschmierter Mullbinden unter dem Titel „Niflheim“ mit ordentlich Rauch in Szene setzt. Am meisten allerdings verstört und beeindruckt das Bild von Milena Wichert, das ein junges Mädchen darstellt, die umringt ist von allerhand Spielsachen wie Bücher, Teddy und Schaukelpferd und die in der Hand eine Schere hält. Aus ihrem Mundwinkel tropft Blut und im Hintergrund liegen zwei Personen mit verklebten Mündern in einer Wanne, die ebenfalls blutüberströmt sind. Eine Ermordungsszene, die in jeden Psychohorrorfilm passen würde.
Eines muss man den Bilder und den Künstlern lassen: dass sie mehr oder weniger Laien und Anfänger sind, hat man keinem angesehen. Sehr aufwendig sind sie gemacht, aufwendige Requisiten und Schauplätze, aufwendige Kostüme und Masken, aufwendig in Szene und ins rechte Licht gerückt. Sie sind professionell und eindrucksvoll gemacht, transportieren Stimmung und Emotion und meiner Meinung nach hätten die ca. 25 Bilder nicht nur eine Wand, sondern gleich einen ganzen Ausstellungsraum füllen können. Bei dem Potenzial wäre definitiv noch mehr drin gewesen.
Mein Tipp also: es lohnt sich, vor dem Theaterbesuch einmal an den Fotografien vorbei zu schlendern und sich hier und da ein wenig zu gruseln.
In dem Sinne: schöne Träume!




