Von Nadine Beneke
Als finale Band des Geburtstagsfestivals – 20 Jahre altstadtherbst – kündigt Francis Gay vom Radiosender Funkhaus Europa ein Unikum an. Erst vor einem Jahr habe sich die Gruppe des Abends zusammengefunden, auf der Suche nach dem afrikanischen Blues. Gespannt lasse ich mich in meinen Sitz sinken.
Eine 8-köpfige Band erscheint auf der Bühne: links platzieren sich zwei Frauen an den Streichern, die zierlich wirken, später jedoch Höchstleistungen an ihren Instrumenten vollbringen. Direkt neben ihnen steht ein Bassist, der die Sonnenbrille, die er trägt, gar nicht bräuchte, um cool zu wirken. Schon die ersten Basstöne sind durchschlagend. An den Percussions geben zwei Männer den Takt an, die scheinbar mit Leib und Seele in die Rhythmusinstrumente eintauchen. Die rechte Seite der Bühne wird von der Bläserriege beherrscht. Eine Klarinettistin, ein Trompeter und ein Posaunist unterstreichen das Ensemble perfekt und geben ihm einen funkig-souligen Klang.
Die Gruppe legt los und Ravid Kahalani kommt auf die Bühne getanzt. Man könnte annehmen dies sei die bevorzugte Fortbewegungsart des jungen Jemeniten, der in Tunika und Jeans dezent und unaufgesetzt aussieht. Als er anfängt zu singen, denke ich: oh je. Ein bisschen hoch für meinen Geschmack. Doch der ausgebildete Opernsänger verblüfft schon beim nächsten Lied mit tiefer Stimme und anbetungswürdigem Timbre. Rasant spielen die Freunde, so beschreibt Kahalani seine Gruppe, immer wieder die gleichen Tonfolgen. Mein Fuß wippt, ich möchte aufstehen und tanzen wie der junge Sänger unten auf der Bühne. Da stoppt das Lied und ein langsamer Blues setzt ein. Ich bekomme Gänsehaut und werde schnell wieder von Raga-Rhythmen aus meiner Sentimentalität gerissen. Keine Atempause. Keine Langeweile. Keine aufgesetzte Performance.
Die Musik regiert die Bühne, Yemen Blues, bestehend aus Ravid Kahalani und seinen Freunden, hat Spaß daran, das Publikum mitzureißen und mit beeindruckender Souveränität tolle Musik abzuliefern, die die ursprüngliche Tristesse des Blues zu einem Feuerwerk werden lässt. So steht am Ende des Abends fest: der Yemen Blues macht nicht „blue“, sondern glücklich.




