Rezensionen

Willkommen in der ARTigen Literaturrunde! // 18.11.11

Von Susanna Ott und Johanna Block

Es gibt eine Werkstatt in Düsseldorf, die junge, ambitionierte Literaten ansteuern, um Förderung, eine Plattform, Kaffee und Vollkornkekse zu erhalten: Wir sind beim Netzwerktreffen der diesjährigen ARTig-Literaten, das bei der ARTig-Mentorin für Literatur, Pamela Granderath, stattfindet. Reihum präsentieren die jungen Schreiber ihre noch wachsenden Werke. Ein Schwenk in die Runde.

Justus Otremba Conteh hat uns schon letztes Jahr mit seinen Froschgeschichten zum Schmunzeln gebracht. Der Job als Promoter im grünen Plüschkostüm hat damals für Heiterkeit gesorgt. Dieses Jahr verlässt Justus die Fußgängerzone und begibt sich mit seinem Protagonisten Kevin auf eine Odyssee. Kevin reist natürlich nicht wirklich, sondern ist Justus‘ Kreation eines Online-Odysseus 2.0. Irgendwo zwischen weißen Tennissocken und Penelope, die mit sechzehn ein Kind erwartet, liegt der Ursprung bester Unterhaltung – bis zum „furchtbaren und blutigen Ende“.

Anna Flacke hat ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht. Da ist man ganz nah dran am Geschehen. Für Anna eine Quelle der Inspiration und Anregung zu kritischem Denken. Dank ihrer Geschichte „Heldentod“ kommen auch wir vielleicht noch ein bisschen näher an die Wahrheit hinter den Meldungen. Die Presseagentur spuckt eine nach der anderen aus. Eigentlich, ja eigentlich, müsste einer mal was tun, damit die Nachrichten wieder gute Nachrichten sind. Erster Auftrag: Anna Flacke zuhören!

Wenzel Braunfels nimmt das Ende von „Café Liberté“ vorweg: „Alles wird kaputt gehen. Ein paar Tote gibt‘s dann auch“. Angst jetzt vor leerem Haus zu lesen, muss der 19-Jährige trotzdem nicht haben. Neben den Proben mit seiner Mettmanner Death-Metall-Band hat Wenzel es noch geschafft, eine Geschichte rund um das Paar Rochus und Agathe zu schreiben. Am Festival-Sonntag hören wir also nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern lauschen auch den Diskussionen einer politischen Gesprächsrunde Intellektueller. Da ist das Ende nur der Anfang.

Katharina Schneider-Bodien wird in ihrer Geschichte um die kleine Frida ebensowenig die Politik außen vor lassen. Wer heute noch denkt, dass der (geplante) Atomausstieg mit Fukushima zu tun hat, wird sich wundern. In bester Pippi-Langstrumpf-Tradition erzählt Katharina, wie eine Neunjährige sich aufmacht, die Welt zu retten. Und da ist der Atomausstieg dank Lehrer Remsenogers Anregungen wirklich erst der Anfang. Was Frida mit Katharinas Hilfe noch so geplant hat, erfahren wir am Festival-Sonntag in der Jazz-Schmiede.

Miriam Bittner wirft neues Licht auf das Thema Suchen und Finden. Wir hören aber nichts von verlorengegangenen Schlüsseln, Vätern oder Handys, sondern von der Suche nach dem Selbst. Mehr zu Miriam im ARTig-Magazin ARThuro, das druckfrisch während des Festivals ausliegen wird.

Beim Spartentreffen mit Mentorin Pamela bieten fünf junge Autoren also die geballte Ladung an denkwürdigen Geschichten, die unterhalten, nachdenklich machen und einmal mehr beweisen, dass Literatur jede Menge Platz zum Ausprobieren und Erfinden lässt. Aus ein paar Buchstaben werden schnell ganz neue Welten. Die volle Dröhnung an kreativem Wortwerk bekommen unsere Festivalbesucher Sonntag, den 27.11.11 ab 13 Uhr, in der Jazz-Schmiede.

Veranstaltung: ARTig-Festival 2011