Von Katharina Mannel
Mit großem Andrang und wieder voll besuchten Häusern ging am Sonntag die Quadriennale 2010 in Düsseldorf zu Ende. Vom K20 und K21, bis zum Schloss Benrath oder der Julia Stoschek Collection gab es vieles zu entdecken und die Ausstellungshäuser schafften es an dem QuadriFinal-Wochenende noch einmal jede Menge Besucher anzulocken. Ob Sound- und Videoinstallationen, spannenden Führungen oder Performances war alles dabei, was das Kunstherz begehrt.
Bereits Samstagabend läuteten zwischen 20:00 und 00:00 Uhr zahlreiche Aktionen zu den Ausstellungen das Ende der Quadriennale ein. Im K21 hatten die Besucher die Gelegenheit, auf den Spuren des Fotografie-Künstlers Thomas Ruff zu wandeln: Im Foyer konnten sie sich nach dem Vorbild seines Zyklus‘ „Menschenbilder von heute“ vor farbigen Pappen fotografieren lassen und anschließend ein postkartengroßes Porträtfoto von sich mitnehmen. So konnten die Besucher vom reinen Betrachter selbst zum Objekt werden und damit in gewisser Weise auch zum Kunstobjekt, dass von den anderen Besuchern gesehen werden kann. Denn alle Portraits wurden auf die Wand neben dem improvisierten Fotostudio projiziert. Im Keller des K20 konnte man sich dann anschauen wie Thomas Ruffs Werke im Original aussehen und wie die Menschen dort getroffen sind. Eine spannende Idee, die den Betrachter nicht nur eine bessere Einsicht gibt, sondern auch zur eigenen Reflexion mit dem Kunstwerk anregt.
Aber die Besucher hatten nicht nur die Möglichkeit zum Objekt zu werden, sie konnten sich auch selbst als Künstler ausprobieren. In der Atelier-Bar neben dem K20 durften die Besucher ihre eigene kleine Skulptur in einer Streichholzschachtel bauen. Dazu standen ihnen Holz, Metall, Wachs, Fell und Knetmasse zur Verfügung. Ganz nach Beuys‘ Motto: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Wobei viele dieses berühmte Beuys Zitat falsch verstehen, denn damit ist nicht gemeint, dass jeder Mensch ein Maler oder Bildhauer ist, sondern vielmehr, dass jeder kreative Fähigkeiten besitzt, die erkannt und ausgebildet werden müssen. Vielleicht hat der ein oder andere ja an diesem Abend seine eigene kreative Ader entdeckt.
Das Kontrastprogramm zu den Ausstellungen der Kunstsammlung und des K20 gab es im KIT, dort boten die Studenten der Robert-Schumann-Hochschule ein musikalisches Gegenstück zu Björn Dahlems Ausstellung „Die Theorie des Himmels I – Die Milchstraße“. Dabei verarbeiteten sie die Eindrücke der Ausstellung musikalisch und schafften es mit Harfe, Geige, Cello und Synthesizer den Besucher nicht nur visuell, sondern auch auditiv in eine andere Galaxie zu versetzen. Dabei wurden Töne und Harmonien ineinander verschoben, verbunden und sphärische Melodien von Instrument zu Instrument weitergegeben. Die Studenten ließen die Ausstellung auf sich wirken und schafften somit ihre eigene „Symphonie der Galaxien“. Mit sphärischen Klängen im Hintergrund und abstrakten Darstellungen der Milchstraße vor Augen wurde der Besucher tatsächlich für einen kurzen Moment in eine andere Galaxie versetzt.
Vom Betrachten und Erkennen, bis zum Kreieren und Erleben, bot das QuadriFinale noch einmal die Kunst als sinnliche Erfahrung. Auch wenn die Besucherzahlen der gesamten Quadriennale 2010 unter den Erwartungen blieben – es kamen insgesamt 150.000 Besucher weniger als 2004 – war es eine bemerkenswerter Schritt von der reinen Darstellung moderner Kunst zur Erfahrung ihrer sinnlichen Qualitäten, den die Studenten und Organisatoren nicht hätten greifbarer machen können. Einige Erfahrungen mehr und vielleicht sogar ein paar bleibende.




