Rezensionen

Viel Lärm um nichts // RLT // 17.05.11

Von Miriam Bittner

Die Bühne des Rheinischen Landestheaters war ungewöhnlich voll, als die Schauspieler dieses Mal in die Rollen von diversen Machomännern und gestandenen Weibsbildern schlüpften. Eine ganze Riege bevölkerte die Bühne, ein spärlich möbliertes Großraumbüro, wie es den Anschein hatte, legten auf Pumps (ja, auch die Männer der Schöpfung!) einen flotten Tanzschritt auf’s Parkett. Die Stimmung war gut, ausgelassen, das Publikum hatte viel zu lachen und die Schauspieler mit Sicherheit ihren Spaß, aber alles der Reihe nach:

Im Großen und Ganzen hat „Viel Lärm um nichts“, eine Liebeskomödie von William Shakespeare, alles, was eine gelungene Geschichte braucht: Liebe und Hass, Schwüre und Intrigen, starke Männer und hübsche Frauen, Offenbarungen und Heucheleien und viel viel Herzschmerz!

Die Ereignisse in Kürze (soweit das möglich ist):

Claudio, ein junger Held des Schlachtfeldes und treuer Anhänger des Don Pedros, des Prinzen von Argon, verliebt sich in Hero, die die Tochter des Gouverneurs von Messina ist. Hero ist schön und klug und Alleinerbin des Besitzes ihres Vaters, so dass niemand länger als nötig auf die Hochzeit warten will. Dem gemeinen, verhärmten Don John allerdings ist das junge Glück zuwider, so dass er eine Intrige inszeniert, in der Hero der Untreue überführt zu sein scheint. Claudio, tief in seiner Ehre verletzt, verstößt daraufhin die junge Frau vor dem Altar. Zu viel für ein zerbrechliches Herz: Hero verfällt in eine todesähnliche Ohnmacht, was wiederum Beatrice, ihre Cousine schmerzlich trifft. Beatrice fordert von Benedikt, einem Freund Claudios, die Ehre ihrer Cousine wiederherzustellen und sie in einem Duell zu rächen. Oberste Verfechterin der Autonomie des weiblichen Geschlechts und erbitterte Widersacherin des Benedikts, einem Freund Claudios, der ein perfektes Beispiel für die Überheblichkeit des Mannes liefert, fordert von diesem, die Ehre ihrer Schwester. Aber wieso fordert sie das gerade von Benedikt, den sie offensichtlich zu hassen scheint? Natürlich: tief in ihrem Inneren verbindet das ungleiche Paar (vorlautes Frauenzimmer, das kein Blatt vor dem Mund nimmt und selbsternannter Junggeselle auf Lebenszeit) Beatrice und Benedikt eine innige Liebe, die sie sich jedoch nicht eingestehen wollen. Bis zum Schluss: da nämlich klären sich alle Ungereimtheiten: Claudio wird von seinem Freund wachgerüttelt und bereut seinen Fehler, so dass er die wiederauferstandene Hero doch zur Frau nimmt, Benedikt und Beatrice erkennen ihre Hass-Liebe an, Don John wird des Betrugs überführt und festgenommen – Ehre und Wahrheit sind gerettet.

Happy End und Doppelhochzeit mit Silberballons und Glitzerregen! Romantisch, kitschig. Was wünscht sich Frau mehr?

Zugegebenermaßen: die Herren und Kriegshelden kommen eher weniger glorreich davon. Sie werden von Staubsaugern attackiert, stöckeln (wie schon erwähnt) auf Pumps umher, tragen Perücken, zeigen ihre Hühnerbrust, reimen und dichten und verfallen alle miteinander der „wahren Liebe“! Da bleibt am Ende nicht mehr viel von Maschinengewehr und Maschoattitüde.

Aber wir Frauen sind es doch wert, oder nicht?!

Veranstaltung: Viel Lärm um nichts