Rezensionen

Turbostaat // Stone im Ratinger Hof // 04.10.11

Von Michael Schröder

Der Abend des 04.10.2011 gefiel so gut, dass ich mich dazu hingerissen fühlte, eine Definition aufzustellen, was eigentlich ein „gutes Konzert“ ausmacht. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass ein „gutes Konzert“ von der Konzertstätte (mit Sound, Standort, Preis etc.), dem Ort (bzw. der Stadt), dem Publikum, und schließlich der Band abhängen. Als beachtenswert hielt ich, dass neben dem Vorhandensein auch das Zusammenspiel dieser Punkte erheblichen Anteil an einer erfolgreichen Musikaufführung tragen.

Nun lache ich innerlich wie äußerlich, wie absurd solch eine Kategorisierung im Bezug auf diesen Dienstagabend klingt. Ein derartiges Rahmendenken lässt keinerlei Platz für Attribute wie „unvergesslich“ oder „schier fantastisch“. Behaupte ich, und möchte hiermit vorweggreifen, indem ich jedem Leser ein Konzert von Turbostaat empfehle – Wärmstens!

Ich muss, oder darf gestehen, dass mir das unrühmliche Kunststück gelang bis zum hiesigen Tag nie nennenswerten Kontakt zu Turbostaat gehegt zu haben, die auf über ein Dutzend Jahre und auf inzwischen vier Alben zurückblicken. Natürlich hatte ich den Namen mal aufgeschnappt und sie grob in eine Gedankenschublade zu Deutsch-Punkbands wie Muff Potter sortiert. Die darauf entrüsteten Reaktionen von Freunden und Bekannten, die mir das Konzert mehr als nur heiß empfahlen, machten mir umso bessere Laune, als ich das Stone betrat.

Kurzum: Die bereits hochgestochenen Erwartungen fanden vollste Bestätigung und zeigten mir eben diese Momente auf, die mich daran erinnerten, was Konzerte so liebenswert machen. Ich gehe soweit, dass die Veranstaltung alles hatte, wofür man bereit ist, mehrere Kilometer Hin- und Rückweg auf sich zu nehmen und diverse Euros zu bezahlen. Und hier waren es gerade mal 14 (!), die mich zu diesen seligen Erinnerungen führten.

Nebenher möchte ich dem Stone und deren Besuchern ein riesiges Lob, oder eine Danksagung oder was man in solchen Fällen eben verwendet, aussprechen. Ich schwamm in dem Meer von großen wie kleinen Frauen und Männern und ließ mich wild von Glückseligkeit nach links und rechts durch den Saal werfen. Eine ansteckende Begeisterung jedes Besuchers schwappte direkt auf mich über und ich sog sie wohlwollend ein. Dies kam wohl nicht von ungefähr, legte der Frontmann doch mehrere Pausen ein, um die großartige Anwesenheit des Publikums anzumerken. Dies erweiterte er dabei nonchalant auf ganz Düsseldorf. Da es sich weder um schlichte Zuschauer, noch –hörer, handelte, die hier vor der Bühne sich selbst und die Band feierten und mit mir nur bemängeln konnten, dass das Ganze ein Ende nehmen musste. Hier schrie und wütete das sechste Mitglied der Band, oder wie man so schön sagt, der „12. Mann“.

Nach der zweiten Zugabe pochten mir Herz und Schädel, meine Kleidung war zur angegossenen zweiten Haut geworden und ich traf bereits am selbigen Abend beste Vorbereitungen, Turbostaat nicht ein weiteres Mal zu erleben, ohne sämtliche Lieder aus vollstem Hals brüllen zu können. So ließ ich mir sämtliche Alben geben, die sich im Besitz meiner Freunde befanden und griffbereit in deren Autos auf mich warteten. Dazu kaufte ich mir ein Bandshirt.

Für den Hauch einer Idee war ich verleitet, dieser Rezension ein „Einfach nur geil!“ hinzusetzen, und es dabei zu belassen. Ich war schlicht etwas ratlos, wie ich das Erlebte in Worten gerecht werden könnte und dachte mir, mit diesem plumpen Anriss einer Meinung, die NeuGIER schüren zu können. Vielleicht hätte sich jemand herausgefordert gefühlt, einen „einfach geilen“ Abend unter der Garantie eines Konzertes der fünf Flensburger zu erleben. Der-, oder diejenige träfe mich dann beim nächsten Turbostaatauftritt und während wir über das ganze Gesicht strahlend, in pitschnass geschwitzten Shirts am Merchandise-Stand Schlange ständen, schwören wir uns unter tobenden High-5-Feuerwerken mit heiseren Stimmen ewige Bandfanschaft!

Und für all jene, die sich neben dem Titel, zuerst das fett gedruckte durchlesen, bevor sie einen Text überfliegen, hier ein paar Schlagworte, die ich wohl die nächsten Wochen nicht mehr aus meinen Hinterkopfregionen geprügelt bekomme:

HUSUUUM, VERDAAAMMT!

FUCK! WINTER

UND DER NACHTTISCH, VOLLER BILDER

HIER SIND WIR ZUHAUSE, WEIL WIR SCHWÄNE WARN

Vielen Dank!

Veranstaltung: Turbostaat