Von Renate Voget
Thomas Struth ist zu Hause angekommen: Nach mehreren Jahren Ausstellungsgeschehen im Ausland holt das K20 die Werke des renommierten Fotografens zurück in die Stadt, in der sein künstlerisches Schaffen begann.
Struth stammt vom Niederrhein und begann sein Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie in den 80er Jahren. In dieser Epoche datieren seine ersten fotografischen Serien, die in der Ausstellung zu sehen sind: zentralperspektivische Straßenansichten von Düsseldorf. Obwohl 40 Jahre zwischen Kriegsende und dem Zeitpunkt der Aufnahme verstrichen waren, sind die Spuren, die der Krieg hinterließ greifbar. Nicht nur das uneinheitliche Bild der Häuserfassaden oder die aufgerissenen Straßen zeugen von tiefen Wunden, auch die Anonymität der Straßenzüge machen den Betrachter glauben, die Bewohner hätten nur vorübergehend ihre Behausung gewählt. Ein gestörtes Verhältnis zu Haus und Heimat wird in der Universalität der Straßenansichten ersichtlich: Düsseldorf, wie es einmal war. In Kontrast dazu stehen die Aufnahmen von New York City und anderen ausländischen Städten, deren verwobenen Strukturen auf ein komplexes Leben hinter den Fassaden schließen lassen. Wer Architektur als Marker von Zivilisation versteht, wird von Struths prägnanten Bildsprache fasziniert sein. Individueller geht es bei seinen Familienporträts-Serien zu. Bei der Inszenierung der jeweiligen internationalen Familien ließ Struth den Porträtierten freie Wahl. So entstanden ganz eigentümliche Konstellationen, die viel über die familieninterne Struktur auszusagen scheinen.
Der Ausstellung gelingt es, einen Bogen zwischen den facettenreichen Serien des Künstlers zu schlagen. Die ungezähmten Urwaldfotografien werden in einem anderen Bereich den logisch-rhythmisierten Maschinenaufnahmen gegenübergestellt und wieder steht die Frage der Zivilisation im Vordergrund. Das eine ist vom Menschen unberührt, das andere von ihm erschaffen. Dabei kommt die Frage auf, wie komplex unser Leben noch werden soll und ob tatsächlich derartige Massen an technischen Neuerungen nötig sind?
Besonders spannend ist, dass man im Haus selbst auf den Spuren des Künstlers wandern kann: Struth ließ sich von den Werken der klassischen Moderne der Sammlung des K20 inspirieren. So können durchaus stille Verweise auf die verschiedenen Gemälde der Sammlung gesucht und gefunden werden.
Das Zusammenspiel aus seinen Fotografien, den älteren Kunstwerken und der Stadt Düsseldorf an sich machen die retrospektive Gegenüberstellung „Thomas Struth – Fotografien 1978 bis 2010“ besonders sinnvoll und für den Besucher zu einem Spiel: Welche Elemente lassen sich wieder erkennen, welche sind unverkennbar für Struth?




