Von Dennis Palmen
The Group 1965 – We are boys!
Vielseitige Ausstellung aus Japan – Sechs auf einen Streich
Ab dem 21. Mai 2011 präsentiert die Kunsthalle Düsseldorf die neue Ausstellung „The Group 1965 – We are boys“. Sechs Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen, alle Jahrgang 1965 und japanstämmig (Grund für den ungezwungenen Zusammenschluss) zeigen Gemälde, Skulpturen, Fotos, Sound-, Video- und Rauminstallationen. Aber wieso eigentlich „We are boys“? Zum einen hat der phonemisch gleich klingende, verstorbene Herr Joseph Beuys, seines Zeichens prominenter Düsseldorfer (Aktions)künstler und Kunstakademiedozent, die Gruppe im Jahre 1984 mit mehreren Ausstellungen in Tokyo beeindruckt und nachhaltig geprägt, zum anderen besteht das Künstlerkollektiv, das gar keine feste Gruppe im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine „Fake-Gruppe“ sein will, nur aus Männern. Eine Frau war übrigens in den Neunzigern auch einmal mit von der Partie, verließ dann aber die männlichen Kollegen, da das öffentliche Präsentieren des Geburtsjahres der Dame eher unschmeichelhaft erschien. Die ansonsten lockere, zwangfreie Verbindung der Group 1965 schlägt sich in einer vielseitigen Ausstellung in Düsseldorf nieder. So beeindrucken zum Beispiel die großformatigen Gemälde von Oscar Oiwa mit Detailreichtum und kritischen Themen („Oil Ghosts“ zeigt ein von Pipelines durchzogenes Meer und sinkende Tankerschiffe, der „Fire Shop“ ist ein boomender und bombender Waffenladen, von dessen Dach die stolzen Fahnen der Atommächte wehen). Auch ein gemeinsames Kunstwerk haben die sechs japanischen Gäste im zweiten Stock der Kunsthalle platziert: Ein „Nagaya“, eine Art Reihenhaus, in dem sich ein Gemeinschaftsraum und sechs individuell gestaltete Räume befinden. Nicht nur bloßes Vorbeigehen, sondern auch das Betreten und Untersuchen der einzelnen Departements ist erlaubt; wenn die Besucher sich zuvor die Schuhe ausziehen. Bei der Pressekonferenz zur Ausstellung wird erzählt, dass das Nagaya ein wenig an die nach der Atomkatastrophe in Japan errichtenen Notunterkünfte erinnert. Auch wenn die seit einem Jahr geplante Ausstellung und die Künstler durch die Ereignisse in Japan nicht unbeeinflusst geblieben sind, so werden hauptsächlich Werke, die bis zum Jahr 2010 entstanden, gezeigt. Zu frisch sind die Erlebnisse und Erinnerungen, zu unsortiert die Gedanken und Emotionen, um sie direkt in Kunst umzusetzen und zu verarbeiten, so ein Kommentar bei der Pressekonferenz. Dennoch gibt es genug Themen, die vor und nach der Fukushima-Katastrophe in Japan aktuell sein werden. Makoto Aiwas riesiges Wandgemälde „Monument for nothing III“ zeigt ein Mangamädchen mit schnittwundenübersäten Armen (ein Kommentar zur hohen Selbstmordrate bei japanischen Schülern) inmitten eines Wustes aus TV-Screenshots, Magazinausschnitten, Pornocomicbildern und einem Muster, das nach Erbrochenem aussieht. Auch hier kann man lange den Blick schweifen und immer neue, teilweise interessante, teilweise verstörende Details entdecken. Diese Art der Wahrnehmung, das Überraschtwerden, ein konstanter Aha-Effekt, begleitet den Besucher durch diese gelungene Ausstellung.




