Von Sandra Martelock
Etwas später als geplant beginnt gegen 10:30 Uhr die Tagung „Sinneswandel – Transformationen der Wahrnehmung in Tanz und Medien“ mit einem Vortrag von Timo Skrandies. Das Thema: „Wahrnehmung wahrnehmen – Materialität, Produktion, Medien“. Der Professor für Medien- und Kulturwissenschaften spricht von der Wahrnehmung als unverzichtbare Bezugsform zur Welt. In der Regel nehmen wir Wahrnehmung für wahr – und doch ist sie nicht einfach so da, sondern ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die ihrerseits kulturell gestaltet ist. Nach einer drei viertel Stunde ist der Vortrag beendet. Gänzlich folgen konnte ich ihm nicht.
Ohne Pause wird die Tagung mit dem Vortrag von Martina Leeker fortgesetzt. Die Überschrift lautet „Intermedialität als Paradigma der Wahrnehmung im Tanz mit Medien seit 1960 (Nine Evenings – Jo Fabian)“. Es werden zwei Videomitschnitte der Nine Evenings gezeigt, damit die Beispiele, um die es in dem Vortrag geht, kennengelernt werden können. Die zeitlose Intermedialität ist zentral für die Wahrnehmung der Performance. An dem neueren Beispiel von Jo-Fabian (2001) wurde das Vortragsthema sehr deutlich: Bei Tristan und Isolde, so der Projektname von Jo-Fabian, sind zwei Menschen in einer Glasvitrine. Dabei können die Zuschauer mittels Tastatur Buchstaben eingeben und die Akteure in der Vitrine bewegen sich nur nach Eingabe der Buchstaben, können aber selbst entscheiden, welche Buchstaben sie nur tanzen. Die Tastatur ist teilweise gesperrt und umso mehr Buchstaben eingegeben werden, umso mehr beschlägt das Glas. Dieses Projekt soll die Grenzen der Intermedialität darstellen. Medien sind kein Mittel, sondern nur ein Zwischen und Hinweis auf etwas Abwesendes. Der Mensch löst sich auf und bleibt nur als etwas im Netzwerk erhalten. Wir befinden uns in einer Kulturtechnik der Übersetzung, denn die Welt wird durch die Medien nicht ab-, sondern neugebildet. Der Vortrag von Martina Leeker baut auf ihren Beispielen auf und war gut nachvollziehbar. Zur Unterstützung hatte sie auf einer PowerPoint-Präsentation Bilder der einzelnen Projekte abgebildet.
Mittlerweile mit einer Stunde Verspätung beginnt der dritte Vortrag. Heike Sperling bringt mit „Sind die zusammen? Zur Verbindung von Ton und Bild“ eine gelungene Mischung aus theoretischem Teil und Beispielen hervor. In der PowerPoint-Präsentation waren im theoretischen Teil die wichtigsten Stichpunkte angezeigt, so dass man immer wusste, worüber gerade gesprochen wird. Außerdem hat sie zu jedem Punkt noch mehrere Beispielvideos gezeigt. Die Themen waren Malerei, Filmkunst (abstrakter Film), Musikvideo, VJing und Motion Graphics mit Beispielen von Len Lye, Fischinger, Coldcut & Hexstatic, Chris Cunningham, No-Domain u.a. Als Fazit stellt sie fest, dass ein enger Zusammenhang zwischen technischer Innovation und neuen künstlerischen Ausdrucksformen und Inhalten existiert. Die Transzendenz von Malerei und Musik schafft die visual Music. Vielleicht sehnen wir uns nach einem Urzustand, denn jeder Mensch ist direkt nach der Geburt ein Synästhesist, Bild und Ton sind vereint. Ein interessanter Vortrag mit guten Beispielen, die sich anzuschauen lohnen.
Nach einer Mittagspause beginnt Sabine Schouten ihren Vortrag über „Gespür der Sinne – Zur atmosphärischen Wahrnehmung inszenierter Situationen“. Sie erzählt von unterschiedlichen Wahrnehmungen und von persönlichen Erfahrungen mit Atmosphären in Wohnungstheatern und einer Ausstellung, die auf Leuchtfelder vergangene Bewegung projiziert. Vielleicht ein wenig lang, aber nett zuzuhören.
Danach folgt die Lecture Performance von Silke Z.. Sie und Dominik Siebel berichten über ihre Zusammenarbeit und warum sie Film und Tanz kombinieren, was für sie das spannende und interessante an dieser Zusammenarbeit ist. Darauf folgte ein Ausschnitt aus dem noch unfertigen Stück „sweded – Das Leben als Kopie“. Die Beiden halten sich in ihrem Erzählpart sehr kurz und berichten über ihre eigenen Erfahrungen bei dieser Zusammenarbeit. Sie lassen die Bilder für sich sprechen: Die beiden ausgewählten Szenen aus der Performance sind sehr aussagekräftig für eine Zusammenarbeit aus Film und Tanz. Diese lädt definitiv dazu ein, sich das Stück einmal anzuschauen, wenn es dann fertig ist. Zum Teil ist original Filmmaterial verwendet, viel ist nachgedreht worden. Am Ende dieser Performance schließt sich wieder eine Fragerunde an, in der alle die Möglichkeit bekommen Unklarheiten zu beseitigen.




