Von Olessia Schulz
Nach einer kurzen Einleitung der Choreografin Silke Z. startet das Stück mit einem Schwarz/Weiß-Film, projiziert auf einer Leinwand. Im Film wird ein älterer Herr gezeigt, der sich im Spiegel bewundert, wie sein Spiegelbild ihm seine Posen nachahmt. Am Ende der Szene stellt sich heraus, dass es sich nicht um sein Spiegelbild handelt, sondern um zwei andere Männer, die ihm ähnlich sehen und ihn nachspielen. Diese erste Filmprojektion löst im Studio Gelächter aus.
Der Film ist beendet. Nun betritt ein Mann die Bühne, der mit einem provozierenden Blick in das Publikum starrt. Mit Handbewegungen und Tanzeinlagen versucht er das Publikum zu erreichen. Zwei Frauen treten zu ihm, sie wiederholen seine provozierende Pose und tanzen mit. Plötzlich sind immer mehr Tänzer zu sehen – alle mit derselben Tanzeinlage. Die Musik startet, die Tänzer bewegen sich weiter, doch der Stil der Tänzer verändert sich bei jeder Wiederholung. Die Musik endet, die Tänzer bleiben stehen, mit dem Blick auf die Leinwand. Es werden weitere Filme projiziert: zu sehen sind nachinszenierte Szenen aus bekannten Filmen wie „Titanic“ von James Cameron. Bei den Aufnahmen ist der Original-Sound der Szenen abgespielt worden, während die Tänzer von der Bühne diese vorher nachgespielt haben, indem sie ihren Mund mitbewegten. Zu Beginn war dies leicht verwirrend, da man ja eigentlich die Stimmen aus dem Film kennt und man sich so automatisch fragen konnte: Haben die Schauspieler wirklich die selbe Stimme wie im Original-Film? Nach einer weiteren Filmszene erhält eine der Tänzerinnen die Stimme eines Mannes, jetzt fällt die Täuschung auf – Und weiteres Gelächter tritt im Publikum auf. Die Szenen wirken komödiantisch und erheitern bei jedem weiteren Ablauf die Zuschauer. Ein Kontrast zum ernsthaften Tanzen.
Die Leinwand verdunkelt sich wieder. Einer der Tänzer beginnt sich zu bewegen, alle Blicke sind auf ihn gerichtet. Die Leinwand projiziert einfache Bilder von Häusern und Straßen. Musik stimmt mit ein. Der Tanz scheint auf die anderen Tänzer provozierend zu wirken. Sie schreien ihn an, er solle aufhören. Die Stimmen werden immer lauter und aggressiver, die Musik wird lauter, so dass die Stimmen untergehen. Langsam bewegen sich alle mit im Takt, doch jeder in seinem eigenen Stil. Die Musik wird leiser, alle tanzen Ballett. Die Tänzer bleiben stehen. Weitere bekannte nachinszenierte Filmszenen werden abgespielt.
Zwei der Tänzer raufen sich auf der Bühne, es wirkt sehr brutal. Es wird abgeschlagen und ein anderer Tänzer tritt im Kampf an. Im Hintergrund sieht man einen Film, der die Tänzer einzeln zeigt, wie sie vor sich selbst stehen, als wären Spiegel vor ihnen – ähnlich wie im ersten Film. Der Kampfpartner wird nebenbei immer gewechselt, von Kampf zu Kampf nimmt die Brutalität ab, es wird vertrauter, intimer, erotischer. Die anderen Tänzer, die nicht im Kampf verwickelt sind, schauen zu.
Im Hintergrund beginnt die letzte Filmszene. Eine Frau, die ihren Mann über ihren Traum erzählt, der von einem Sex-Szenario handelte. Die Tänzer im Vordergrund beginnen sich allmählich in kleinen Gruppen zärtlich zu streicheln und sich langsam auszuziehen – bis alle nackt sind. Zum Schluss sitzen alle in der Mitte des Studios. Einer tritt hervor, geht zu einer Tasche, zückt eine Zigarette heraus und beginnt zu rauchen. Die Zigarette wird weiter gereicht, es wird sich wieder langsam angezogen. Alle verlassen den Raum, bis letztendlich nur noch einer genüsslich die Zigarette zu Ende raucht.
„sweded – Das Leben als Kopie“ ist ein sehr schönes Stück, das die Zuschauer zum nachdenken anregt. Besonders erwähnenswert sind die Filmaufnahmen, die perfekt bearbeitet, geschnitten und wieder zusammengefügt wurden. Das Traurige (leider) war der Platzmangel für die Zuschauer, die nur zusammengequetscht auf den Sitzen oder auf dem Boden das sonst schöne Stück genießen konnten.




