Rezensionen

Sternzeichen 10 // Tonhalle // 10.04.11

Von Miriam Bittner

Und zum zehnten Mal laden die Tonhalle Düsseldorf und die Düsseldorfer Symphoniker zu einem Sternzeichen ein oder sollte ich besser sagen, zu einer kleinen Märchenstunde: Mit der Unterstützung der Sopranistin Christiane Oelze und dem Baritonsänger Hanno Müller-Brachmann füllte der Dirigent Andrey Boreyko den Konzertsaal an diesem Abend nicht nur mit Musik und Töne, sondern auch mit Worten und Geschichten.

Wenn ich sonst den Streichern und Bläsern der Symphoniker zuhöre, dann ist es oft eher ein Gefühl, das durch den Raum schwebt, Kraft oder Schmerz oder Fröhlichkeit, nichts konkretes. Wenn man aber die Komposition von Franz Schreker hört, „Vom Ewigen Leben“, dann sieht man förmlich die Häschen auf der grünen Aue mümmeln, das klare Bächlein über die Steine plätschern und die Vöglein zwitschern. Und wenn Gustav Mahler in seinen Liedern „Des Knaben Wunderhorn“ von Soldaten, Kuckuck und Esel erzählt, dann sieht man mit Pauken und Trompeten das staubige Schlachtfeld und hört wirklich den Kuckuck rufen und den Esel schreien.

Farbenfroh, so würde ich es zusammenfassen, plastisch, echt, was nicht zuletzt mit den Sängern Oelze und Müller-Brachmann zusammenhängt.

Wenn einem die Aue zu kitschig ist, dann lohnt es sich auch, den Bariton zu beobachten, der mit viel Herzblut und stolzgeschwellter Brust den marschierenden Soldaten mimt und herrlich sein Gesicht zum Eselschrei verzieht.

Mein ganz persönlicher Höhepunkt des Abends war dann allerdings das letzte Drittel mit Alexander Zemlinskys „Die Seejungfrau“ und seiner „Symphonischen Dichtung“. Beinah kinoreif stand diese Inszenierung den großen Walt-Disney-Filmmusiken in nichts nach und irgendwie sah ich immer wieder Bambi und Klopfer vor mir hin und her springen. Vogelgezwitscher inklusive.

Das Einzige, was ich an diesem ansonsten wirklich gelungenen Abend bemängeln muss (aber dafür kann eigentlich niemand etwas und im Grunde bin ich es selbst schuld):

Man versteht einfach nicht, was Sopran und Bariton singen!

Einzelne Wörter, ja, aber längere Passagen muss man einfach mitlesen, wenn man den Sinn tatsächlich verstehen will.

Kleiner Tipp also von mir: In das kleine Programmheftchen sollte man die 2 Euro durchaus investieren (ich werde es mir beim nächsten Mal auch VOR der Aufführung kaufen!). Alles in allem also: Lohnenswert! Schade, dass bei der Aufführung gestern (09.04.2011) der Saal nur halb gefüllt war. Aber weitere folgen: 10. und 11.04.

Veranstaltung: Sternzeichen 10