Von Klara Schneider
Vertreter der fünf Weltreligionen kriegen sich auf der „Internationalen Messe für den richtigen Glauben“ erst gegenseitig in die Haare, um sich dann jedoch beim Auftauchen einer Atheistin auf ihre Gemeinsamkeiten zu besinnen und so den einzigen Messebesucher für sich zu gewinnen versuchen. Soweit der Inhalt eines Stückes, das seit nunmehr drei Jahren im Programm des Schauspielhauses ist und aufgrund seines großen Erfolges wieder aufgenommen wurde.
Wer nun jedoch tiefsinnige Gespräche über Religion oder den Sinn des Lebens erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Eine aufgrund einer Weihrauchdosis in Ohnmacht gefallene Hinduistin, ein Muslim, der einem Juden die Kerzen seines Leuchters abbricht – höher wird das Niveau an diesem Abend nicht. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei dem Stück um ein Songdrama handelt, wie der Autor Erik Gedeon die von ihm erfundene Gattung genannt hat. Dementsprechend erfolgt die Kommunikation vor allem singend, wobei die Weltreligionen auf bewährte Klassiker der letzten Jahrzehnte aus dem Pop- und Rock-Bereich zurückgreifen. Im Laufe des Stückes kam bei mir der Verdacht hoch, dass die Handlung einer zufällig ausgewählten Reihe von Liedern folgt und nicht die Lieder der Handlung entsprechend ausgewählt wurden. Ein Stück wie „Pretty Woman“ – geträllert von einer Protestantin und einem Katholiken – wirkt einfach unglaublich fehl am Platz und auch bei anderen Songs passt lediglich der Refrain zur Story.
Dass es am Ende von einigen Leuten Standing Ovations gibt während andere zügig den Raum verlassen, kann wohl vor allem mit unterschiedlichen Erwartungen erklärt werden: Wer sich auf tiefsinnige Dialoge über den wahren Glauben freut, den dürfte die musicalähnliche Inszenierung eher abschrecken. Diejenigen, die einfach mal 90 Minuten von zum größten Teil wirklich guten Sängern unterhalten werden wollen, werden dagegen auf ihre Kosten kommen.




