Von Elisabeth Mader
Schneidermeister Anton Wibbel hat im Vollrausch die französische Besatzungsmacht beleidigt und wird zu vier Wochen „Kaschott“ verurteilt. Da er aber keinesfalls seinen Betrieb für solch lange Zeit alleine lassen kann, hat seine Frau eine Idee: Einer seiner beiden Gesellen soll anstelle von Wibbel die Strafe absitzen. Er müsse sich zwar in dieser Zeit in der eigenen Werkstatt versteckt halten, aber er könnte immerhin weiterarbeiten. Gesagt, getan. Doch was keiner vermutet hatte: Der Geselle Zimpel verstirbt im „Kaschott“ an einer Lungenentzündung, somit ist offiziell auch Schneider Wibbel tot, inklusive Totenschein und Begräbnis. Um aber nicht ewig versteckt leben zu müssen, taucht Wibbel als sein eigener Bruder auf, der sich mit Frau Wibbel sofort gut versteht und schließlich auch heiratet. Trotzdem geht nicht alles so einfach, wie es geplant war, denn die Bekannten und Kunden von Wibbel werden misstrauisch …
1913 wurde Hans Müller-Schlössers Komödie im Schauspielhaus uraufgeführt und stand 13 Jahre auf dem Spielplan. Heute lässt Frank Panhans das Düsseldorf von 1923 wieder aufleben. Neben einer scheinbar unendlich großen französischen Flagge zieren auch hunderte Schnittmuster und Kleidungsstücke die Bühne. Für wilde Verfolgungsjagden und Rutschpartien stehen den Darstellern zwei große schräge Rampen, das „Kabuff“ und eine große Hauptbühne zur Verfügung. Besonders ist auch, dass das gesamte Stück in Düsseldorfer Platt gesprochen wird, doch dies ist auch für Nicht-Düsseldorfer weitestgehend verständlich. Gewürzt mit vielen Couplets von Otto Reuter, die mit Live-Band begleitet werden, vielen Slapstickeinlagen und rasanten Dialogen ist „Schneider Wibbel“ ein sehr empfehlenswertes und kurzweiliges Theaterstück.




