Rezensionen

Rückblicke Nacht der Museen

Antonia Alessia Virginia Beeskow

Langsam zwielichtet es sich, der Sommer ist nah und doch noch nicht da. Wie das Licht der Gaslaternen die Motten anzieht, drängt es die Menschen in dieser Nacht in die Museen, Ateliers und Kirchen Düsseldorfs. Es sind Orte, die sich sonst durch ihre Ruhe, den Zeit-Stillstand, den man in diesen Räumlichkeiten verspürt, auszeichnen. Etwas Geheimnisvolles geht sonst von hier aus, doch heute liegt etwas Besonderes in der Luft, es ist Nacht der Museen.

Aus der Bergerkirche dringen unbekannte Beats, Töne dringen in mein Ohr, verharren und hallen wieder. Die „Source of Uncertainty“ der Tickling Peaks schwingt, schallt, vibriert im Raum, ein Hauch von Jazz, minimalistisch, der Synthesizer gibt Sounds unbekannter Art von sich, ebenso die Mundbeats des Klarinettisten, es „blaswandelt“ sich. Fernseher unterteilen den Raum in Nischen, das Licht wechselt von orange zu grün zu blau zu orange … eine Installation aus Licht, Farbe und Klang. Sehr berauschend.

Ortswechsel!
Chillige Beats weichen Bier und polnischen Würsten, Biergartenstimmung im Hinterhof des Polnischen Instituts, fein! Aber hier ist nicht alles Zywiec mit 5,8% alc., geht man die Treppe des schönen, alten Hauses nach oben, bietet sich einem der Anblick schwarz-weißer Arbeiten des Künstlers Zbigniew Rogalski. Die sehr modernen Werke passen sich dem Stuck und Zierrat der Türen und Wände an, als gehörte es einfach zusammen, hätte schon immer zusammengehört. Versteckt in einem der hinteren Räume bietet sich mir die Performance „visual noise“, rauschende, verzerrte Gitarrenimprovisation trifft auf grüne Leuchtschrift, giftgrün ziehen sie ihre Linien über das weiße Leinen, kreisen und kreuzen sich, verlieren sich und knubbeln sich vereinzelt. Was ist das, was sich da vor mir ergibt, ein Mensch, ein Tier?
Bizarr und polnisch-warm.

Ortswechsel!
Mittlerweile ist es dunkel auf der Straße, die Luft ist kühl, der Sommer ist nah und doch noch nicht da. Wie die kleinen Falter schwirren wir ins warme Licht. Das Filmmuseum öffnet einladend die Türen. Hier sammeln sich die Menschen, es dreht sich um Illusionen, um den sich ja eigentlich auch der ganze Film, die Traumfabrik, die selbst eine ist, dreht. Im Wanderkino werden kleine Kurzfilme von Georges Méliès gezeigt. Mit Stop-motion-Technik fliegen Hüte durch die Gegend, gießen sich Tassen selbst Kaffee ein, stapeln sich bunte Kisten wie von Zauberhand. Kleine Zaubertricks im Breitbildformat mit achtzehn Bildern pro Sekunde; zauberhaft.

Ortswechsel!
Vor dem Institut français finden sich Bekannte, streifen genauso durch die Nacht auf der Suche nach der nächsten Veranstaltung, dem nächsten Kulturbonbon. Oder einem Glas Wein aus Frankreich. Die französische Elektronikmusik klingt in der kleinen Gasse, wir sind in Tanzstimmung. Ein kühler Lufthauch, der Sommer ist bald da.