Von Miriam Bittner
Was haben muskelbepackte Hip-Hop-Gangster und eine zierlich zarte Ballerina gemeinsam? Was verbindet Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ mit vibrierenden Dance Beats? Nicht viel denkt ihr? Na, dann wartet erst einmal ab, bis ihr Red Bull Flying Bach gesehen habt!
Der Mix! Der Mix macht’s!
Das findet auch Vartan, Choreograph und Dancemitglied der Flying Steps. Der 36-Jährige hatte Mitte 2009 den Plan, etwas Ungewöhnliches auf die Beine zu stellen, etwas, das sonst noch niemand versucht hatte. Er wollte es schaffen, den Style und die Moves der Straße mit der Anmut und der Schwere des klassischen Klavierkonzerts zu vereinigen. Ist das möglich, fragte er sich und auch Christoph Hagel, Opernregisseur und derjenige, der ihm die Antwort geben konnte: Natürlich ist das möglich!
Anfängliche Zweifel und Skepsis wichen Begeisterung und Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ wurde in den nächsten Monaten zum ständigen Begleiter. Und schnell stellte sich heraus: die Körperspannung der Ballerinas und der Hip Hopper ist gar nicht so unähnlich. Takt- und Körpergefühl sind gleich. Fluss und Bewegungsabläufe bauen aufeinander auf.
Einziger Unterschied: die Geschwindigkeit!
Das war wohl die größte Herausforderung, die Geschwindigkeiten aufeinander abstimmen, impulsive, dynamische Breakdance Moves, dem Rhythmus des Klaviers anpassen. Oder besser: die beiden ineinander fließen, sie eins werden zu lassen! Denn das ist wohl das Geheimrezept der Flying Steps, eine Dancegroup, ursprünglich aus Berlin kommend, die ihre Wurzeln aber in der ganzen Welt hat.
Der Mix macht’s!
Überall! Bei der Musik, den Schritten, den Tänzern! Tütü trifft Baggie und die Stimmen der Fugen bekommen Persönlichkeit. Dabei basiert dreiviertel der Choreografie auf Live-Klaviermusik, ein Viertel kommt vom Band: die vibrierenden Elektrobeats, die bis ins Mark gehen. Vartan hätte sich 2009 wohl auch nicht träumen lassen, dass seine Idee solch ein Erfolg werden könnte, denn schon im April 2010 wurde dieser „Melting Pot“ der Kulturen dem Publikum präsentiert und die Berliner Nationalgalerie jubelte. Jetzt sind sie auf Deutschlandtournee und am 1.Oktober sogar in der Tonhalle in Düsseldorf zu sehen.
Ich empfehle einen Schluck dieses explosiven Cocktails zu kosten, sich ein bisschen im Rausch hin und her werfen zu lassen und sich sicher zu sein, dass der „American Dream“ gar nicht so weit weg ist. Jeder kann das Unmögliche erreichen, wenn er an sich selbst glaubt. Jeder kann neue Grenzen setzten, wenn er nur eines hat: an open mind!




