Von Natalie Dayekh
<b>Voyageurs Immobiles, je t’adore!</b>
Der altstadtherbst lockte am 29. September zu einer Deutschlandpremiere: zu sehen gab es die traumhafte Inszenierung „ Voyageurs Immobiles“ von Philippe Genty. „Immobiles“ war hier jedoch nichts. Die einzelnen Szenen verschmolzen geradezu ineinander und die acht Tänzerinnen und Tänzer ergaben ein ungleiches spannendes Gebilde. Aber was ging auf der Bühne eigentlich vor sich?
Ein grundlegendes Thema war die Herkunft des Menschen, kombiniert mit seiner Wiedergeburt, an welche eine Prise Humor geknüpft wurde. Genty weiß genau, was fasziniert. Und so sorgte er für packende Überraschungen. Reines Luftanhalten, als rund vier Dutzend Baby-Puppen an Fallschirmen auf die Erde niederfielen und sich sachte auf den Boden niederließen. Doch wäre es nicht Phillipe Genty, wenn er es dabei belassen würde. Und schon ein wenig später wurden jene Puppen, Stück für Stück, in einer Kompresse zerdrückt.
Es wirkten mächtige Metamorphosen zwischen den Protagonisten, und jeder von ihnen fand im richtigen Augenblick seinen Einsatz. Eine gesunde Portion von skurriler Absurdität war hier die Zauberformel. So standen in einer Szene die Tänzerinnen wie auch Tänzer entblößt vor dem Zuschauer in einem folienartigen Wellenmeer, sangen meerjungfrauenartige Lieder und entschwanden im rauschen einer luftigen Welle.
Auffällig war vor allem die Sprache, die verwendet wurde. Erinnerte es zum Einstieg noch sehr an den klassischen Stummfilm, mit Mimik von Marcel Marceau und Gestik Charlie Chaplins, entpuppte sich nach und nach ein kultureller Austausch zwischen den Darstellern. Französisch, gebrochenes Deutsch und weitere unindentifizierbaren Sprachen später, erlebte man Dialoge, Monologe und wollte nur noch eines: mehr davon.
Die Art und Weise, wie kontrastreich Phillipe Genty arbeitet, der in Zusammenarbeit mit seiner Frau Mary Underwood diese Inszenierung entwarf, verursachte beim Publikum ein emotionales Chaos. Die Tänzer sorgten mit ihren kindlichen Einfällen und der Begeisterung für das Alltägliche oftmals für Zwischenapplaus und schallendes Gelächter. Und war man erst in dieser aufgelösten Stimmung, folgte Musik, die einen den Blickwinkel in die Dramatik dieses Stückes offenbarte. Die Frage, wer man ist und wie man leben möchte.
Phillipe Genty und Mary Underwood zeigten sich am Ende des Stückes und wurden mit Applaus überschüttet. Richtig so – dieser Abend verzauberte. Und die eigenen Träume, so schön sie auch sein mögen, können dieser Inszenierung an Kreativität und Fantasie, einfach nicht das Wasser reichen.




