Von Madeleine Schmidt
Wer am Abend des 1. Juni 2011 nicht im Düsseldorfer zakk zugange war, hat wohl etwas falsch gemacht: Olli Schulz, dieses Mal ohne den Hund Marie, gab sich an diesem Abend mit seiner „Ochsentour“ die Ehre. Olli Schulz, wer soll das denn sein? Darf ich vorstellen – ein Hamburger Jung, mittleren Alters, sehr charmant, manchmal auch provokant, Musiker, Songwriter, Komiker und Entertainer mit Leib und Seele.
Wer sich auf eine Veranstaltung mit Olli Schulz einlässt, kann sich auf was gefasst machen. Wer denkt, es wird nur Musik gespielt, das Lied kurz angekündigt und nach 45 Minuten die Bühne geräumt, der irrt sich gewaltig. Bei Olli Schulz ist alles anders: Kaum betritt er die Bretter, die die Welt bedeuten, öffnet den Mund und springt hüpfend umher, hat er das Publikum mit seiner sehr eigenen, aber liebevollen Art in seinen Bann gezogen. Er amüsiert und unterhält die Menge mit Geschichten aus seiner Jugend, seiner Abneigung gegenüber Mittelaltermusik, einem kuriosem Tourereignis („Ick kann machen, was ich will“) oder offenbart ganz nebenbei Geheimnisse. Wer hätte schon gedacht, dass der Sänger von Rammstein, Till Lindemann, nicht auch normal sprechen kann? Zwischendrin gibt es dann auch den ein oder anderen neuen Song zu hören. Das Besondere an Olli Schulz ist sein Talent, nicht nur zwischen den einzelnen Stücken Geschichten zu erzählen, sondern auch mit seinen Liedern selbst. So besingt er eine nervige Interviewerin vom Uni-Radio, die zahlreichen Spielerfrauen oder hilft der orientierungslosen Jugend bei der Berufswahl. Natürlich dürften auch Klassiker wie „Und dann schlägt dein Herz“, „Unter dem King“ oder „Rückspiegel“ nicht fehlen.
Das Publikum an diesem Abend war eher älteres Semester (daher wohl auch die Stühle). Der Stimmung hat dies jedoch keinen Abbruch getan.
Einziger Manko des Abends, auch dem Songwriter selbst ein Dorn im Auge: Offenbar Durstige, Raucher, Telefonierer oder Toilettenaufsucher. die alle zwei Minuten von ihrem Platz zur Bar innerhalb des Raums stürmten oder fluchtartig die Ausgangstür aufsuchten. Das nächste Mal also bitte doch keine Bestuhlung.
Wem dieser Mann auf der Straße begegnet, würde ihn wahrscheinlich nicht einmal bemerken. Doch die Bühne ist sein Leben, dort blüht er auf, begeistert mit seinen Geschichten und Texten ohne Ende. Da gibt es wohl nur eins zu sagen: Olli Schulz ist grandios.




