Rezensionen

Ohne Rolf – Schreibhals // Kom(m)ödchen // 12.04.11

Von Elisabeth Mader

Letzten Samstag im Düsseldorfer Kom(m)ödchen konnte ich eine ganz besondere Art der Comedy erleben: Zwei Schweizer, die mit ihrem Publikum gänzlich ohne gesprochene Sprache kommunizieren. Kommunikation geschieht nur über vorgedruckte Plakate, die sie vor sich auf ein Gestell hängen – „Ohne Rolf“ führt so auch Interviews.

Nach vielen Fragen, warum das Duo eigentlich „Ohne Rolf“ heiße, wurde jetzt im zweiten Programm das Baby namens Rolf eingeführt. Darum steht zwischen ihnen eine schwarze Box, aus der heraus Rolf mit weiteren Plakaten kommuniziert. Während der Show werden unter anderem nach einer aufwendigen Namenssuche zwei Taufpaten für Rolf gesucht und auf die Bühne geholt, die dann auch einen Teil der Plakate blättern dürfen. Zur Taufe wird vom Publikum natürlich auch gesungen. Doch nicht im herkömmlichen Sinne: Im Saal werden Zettel verteilt auf denen entweder „Kumbaya“ oder „My Lord“ steht. Im Anschluss wird von den Besuchern, durch Hochhalten der Blätter ein Lied zum Besten gegeben, ohne auch nur einen Ton von sich zu geben.

Im zweiten Teil erscheint auch Rolf persönlich (eine Babypuppe, die von den zwei Darstellern geführt wird). Nicht zu vergessen ist auch „Tippex“, der Hund, der im Grunde nur ein Kassettenrekorder ist, auf dem dann das Bellen abgespielt wird.  Nach einiger Zeit bricht bei „Ohne Rolf“ Nervosität aus, denn die aufwendige Baby-Blättermaschine funktioniert nicht mehr, kein Rütteln an den Kabeln hilft. Obwohl die Box dann auseinandergebaut wird und alles versucht wird, bleibt die Maschine stumm und „Ohne Rolf“ muss offensichtlich improvisieren. Zum ersten Mal an dem Abend erklingen die Stimmen der Künstler. Es wird erklärt, dass nun der Notfallplan zum Einsatz kommt, der aber erst vorbereitet werden muss. Rolf ist nun tot und die beiden blicken mithilfe eines Fotoalbums auf die alte Zeit zurück, in der Rolf noch gelebt hat. Ob dieser Unfall nun geplant war oder nicht, bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Störend ist dieser Vorfall auf jeden Fall nicht, da sehr charmant damit umgegangen wird.

Alles in Allem ist „Ohne Rolf“ eine sehr unterhaltsame Show. Für Menschen die nicht so schnell lesen können oder nicht so gut sehen, ist es allerdings teilweise sehr schwer dem Inhalt zu folgen. Auch wenn man zu schräg zur Bühne sitzt, ist es mit der Zeit mühsam, die Plakate zu lesen. Das System der schriftlichen Kommunikation ist spannend; viele Redewendungen sind eingebaut und können interessant dargestellt werden. So zum Beispiel „Wir übergeben das Wort an …“ und in dem Moment wird ein Plakat mit dem Aufdruck „WORT“ an den betreffenden weitergegeben. Zu empfehlen ist „Ohne Rolf“ an alle, die gerne etwas Neues erleben möchten und Spaß am Lesen haben.