Rezensionen

Nowhere Boy

Von Katharina Mannel

Nowhere Boy – Coming-of-Age einer Legende?

Der Film „Nowhere Boy“ beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte des jungen John Lennon und den ersten Gehversuchen der legendären Beatles. Es scheint als habe die Faszination an den Beatles nie ein Ende, liegt über ihnen doch der Zauber der britischen Rockband, die sich mit Hits wie „Yellow Submarine“, „Strawberry Fields“ oder „Penny Lane“ tief in unser musikhistorisches Gedächtnis eingegraben haben. Dieser Film versucht aber nicht die Beatles in ihrem Schaffen zu glorifizieren, sondern widmet sich dem Aufwachsen John Lennons in seiner zerrissenen Welt.

Der junge John Lennon – ein Rebell, Raufbold, Draufgänger und frecher Charmeur, der sich nirgendwo zugehörig fühlt, künstlerisch begabt, aber noch unsicher seinen Weg suchend. Aber wie Lennon im Film mit seinen 15 Jahren sagt: „Im Nirgendwo leben die Genies“ – als Antwort auf die ernste Mahnung des Schuldirektors, er werde im Nirgendwo landen, wenn er so weiter macht. Und so schwankt der Film auch zwischen Träumerei und Ernst hin und her. Ein Junge, der erst noch das Ausmaß seines Handelns begreifen muss und sich in sein eigenes Draufgängertum flüchtet. Ist er doch ohne Vater und bei seiner Tante Mimi aufgewachsen. Die überforderte Mutter gab ihn zu ihrer Schwester, als er fünf Jahre alt war.

Die beiden Frauen, Tante Mimi und Lennons Mutter Julia, stehen auch stellvertretend für die Zerrissenheit des Films. Die pflichtbewusste Mimi auf der einen Seite und die Rock ’n’ Roll liebende und scheinbar unbeschwert lebende Mutter auf der anderen. Auf der Beerdigung von Lennons Onkel, Mimis Ehemann, sieht er seine Mutter wieder. Daraufhin fasst er sich ein Herz und besucht sie. Die daraus entstehenden Treffen werden für ihn zur Infektion mit einer Droge namens Musik. Rock ’n’ Roll wird zur Lebensform und bestimmt nicht nur den musikalischen Stil, sondern das ganze Handeln. Doch wirkt der Film gerade in dieser Phase pathetisch und schwer und die langsamen Schnitte und gemächliche Kameraführung mag nicht ganz zur treibenden Musik des Rock ’n’ Roll passen. Zwar wird dem Film durch den Soundtrack etwas Energie eingehaucht, doch muss John Lennon erst auf Paul Mc Cartney treffen, damit der Film an Fahrt gewinnt.

Im Gegensatz zum zerrissenen John Lennon geht von der Darstellung des jungen Paul Mc Cartney ein Charisma aus, das ahnen lässt, was die Beatles zu den Beatles gemacht hat. Als er das erste Mal vor Lennon die Saiten seiner Gitarre zum Schwingen bringt, glaubt man einfach er sei für dieses Instrument gemacht. Für ihn zählt nur die Musik und nicht das Rock ’n’ Roll-Gehabe eines jungen John Lennon.

Nur leider schafft der Film nicht die Faszination, die von einem Beatle ausgeht, auf den dargestellten jungen John Lennon zu übertragen. Die besondere Aura, die die Persönlichkeit John Lennons ausmacht, geht dem Film verloren. Die Geschichte und die Assoziationen scheinen den Film zu erdrücken und man fragt sich, wie aus diesem Jungen der legendäre John Lennon werden konnte. So bleibt es zwar eine nette Coming-of-Age-Geschichte, aber fehlt ihr die Magie einer Legende.

Veranstaltung: Nowhere Boy