Von Susanna Ott
Der Abend beginnt etwas zäh. Mit einer Tanzperformance, die im Dialog mit einer Videoprojektion steht. In „Fresko“ werden die Fotografien von Skulpturen aus der griechischen Antike an die Wand projiziert, dabei wiederholt sich die Abfolge, genau wie die Bewegungen der beiden Tänzerinnen, die zeitgleich auf der Bühne, zu dem Thema des menschlichen Körpers, performen.
Nach der 25-minütigen Performance von Irene Schröder und Hector Solarie darf man erstmal sitzenbleiben und sich von der nächsten Tanzperformance überraschen lassen: „Daily Routine 5“, ein Teil eines offenen Rechercheprojekts mit dem Namen „Daily Routine“ von Adrienn Hod. Begleitet zu einem hypnotisierenden Live-Gesang, der teils wie die Rufe eines Muezzin zum Gebet klingt, aber auch an einen Chor, stellenweise an eine kaputte Schallplatte erinnert, die ins Stocken gerät, versuchen vier Tänzer sich von normalen Bewegungsabläufen zu lösen. In dieser 23-minütigen Performance brechen die Tänzer jegliche Bewegungsroutinen auf und steigern sich zu dem Live-Gesang des ungarischen Sänger und Komponisten Zoltan Mizsei in eine berauschende und packende Dynamik.
Doch nach „Daily Routine 5“ ist man an dem Abend im tanzhaus nrw noch lange nicht am Ende, denn der „Now & Next“-Parkour hat noch mehr zu bieten, schließlich wurde er zu Beginn der ersten Vorstellung als interdisziplinäre Plattform gepriesen, die neu entwickelte Kunstprojekte vorstellt. Unter dieses Motto fielen bereits, die beiden ersten Tanzperformances, aber auch die darauf folgende Lecture Performance und der amüsante Animationsfilm „Aras Schallplatten“, der in einer musikalischen Rundreise einen Düsseldorfer Schallplattenladenbesitzer porträtiert. Die zu dem Animationsfilm gehörende Panoramafotografie kann man sich ebenfalls im Rahmen von „Now & Next“ im tanzhaus nrw ansehen.
Isabelle Wapnitz’ Lecture Performance, vorletzter Punkt auf dem Abendprogramm und persönlicher Höhepunkt des Abends, begeisterte mit einem überaus klugen und charmanten Vortrag des aktiven „In-Szene-Setzen“ des Gesagtem und damit der Thematik des Vortrages „Titel hinzufügen“ genau entsprechend.
Den Abend rundete die sehr nachdenkliche und düstere Tanzperformance von der Tänzerin Kazue Ikeda ab, in der sie auf die flüchtige Schönheit der japanischen Kirschblüte eingeht. Aber somit deckt die neue Plattform „Now & Next“ auch wirklich alles ab, was man sich für einen gelungen Abend wünscht.




