Rezensionen

New Fall Festival // Nachbericht // 11.-16.10.11

Von Agnes Jaraczewski

Es kündigte sich gut an, das neue Festival am Musikhimmel von Düsseldorf. Außergewöhnlich, leise und wohlgewählt – alles andere als beliebig also. Und abgesehen von einer nicht wirklich aufkommenden Festivalatmosphäre hielt es auch, was es versprach. Zumindest fast: Die Konzerte von Cloud Boat, James Yuill und Plaid sowie das von Junip waren nämlich alles andere als leise und somit auch nicht wirklich familientauglich, auch wenn sich das ein oder andere Kind zum Konzert verirrte.

Cloud Boat und James Yuill tat dies keinen Abbruch, erstere nutzten den Sound,um Raum und Menge völlig für sich zu gewinnen. In einer einnehmenden rhythmisch-arhythmischen Hymne rissen sie das gesamte Publikum mit. Auch wenn die Filmprojektionen im Herbststil nicht jedermanns Geschmack trafen, so überzeugten die Künstler mit ihrer Performance an den Instrumenten. James Yuill, die One-Man-Show schlechthin, überzeugte ebenfalls mit einer eindrucksvollen Leistung an unzähligen Instrumenten, Sound- und Videogeräten, inklusive Stimme und Tanzeinlagen. Ihm dabei, über die Visuals gekonnt verpackt, auf die Finger gucken zu können, versetzte nicht nur ins Staunen, sondern faszinierte und ließ das Publikum nur noch gedanklich vertieft zur Musik mitgehen – und das im Sitzen!

Plaid hingegen ließen lange auf das warten, was vorab an Erwartungen geweckt wurde … Nach anfänglichen Startschwierigkeiten mit den Visuals konnte leider auch die Bühnenperformance im Vergleich zu den Vorgängern des Abends nicht recht überzeugen.

Junip, das vorletzte Konzert des New Fall Festivals, schloss am Samstag nahtlos an das Japanfeuerwerk an. Dementsprechend füllten sich im Gegensatz zu den Dienstagsperformances beinahe lückenlos die Reihen des Robert-Schumann-Saals. Auch hier hohe Erwartungen an den großartigen Jose Gonzales – diesmal mit Band – der sich auch von zwischenzeitlichen Aufforderungsrufen des Publikums, endlich seinen Hit „Heartbeats“ zu spielen – nicht beeinflussen ließ.

Alles in allem eine überzeugende Leistung der Musiker, inklusive ungeplanter und doch unterhaltsamer Unfälle mit stürzenden Instrumenten. Oft war es viel mehr der Raum, der die Qualität des Konzertes einschränkte. Denn wider Erwarten knackte und brummte die Holzverkleidung  in einem der bestausgestattesten Konzertsäle Deutschlands erbarmungslos in den Ohren der Zuschauer – besonders in den letzten Reihen, so dass der Chef des Festivals persönlich etwas ratlos durch den Saal lief und prüfend seine Hände an die Säulen legte. Dieses Phänomen machte sich sowohl in der Unruhe während des Konzertes, als auch an den fehlenden Standing Ovations der hinteren Reihen bemerkbar. Da war’s dann wohl doch zu laut …

Summa summarum ein wirklich interessantes und liebevoll gestaltetes neues Format, an dem es noch zu feilen gilt. Denn das Vorhaben, die besondere Atmosphäre allein über einen glatten in sich sehr funktionalen Raum und hochkarätige Künstler zaubern zu wollen, ist unter Umständen zu einfach gedacht. Manchmal gehört noch eine Prise Zauber in eine einfache 1+1-Rechnung, um ein wirklich beeindruckendes Musikerlebnis hervorzubringen.

Auch die immer wieder erwähnte Familientauglichkeit des Festivals sei nochmals zu überdenken; wobei hier genauer nach der Auslegung von Familie zu fragen sei. Wenn damit Kinder um die 18 gemeint sind, dann ist dem nichts entgegenzubringen.

Schlussendlich überzeugt das NFF doch mit seinem guten Auftritt, besonders was die Medien anbetrifft. So manches Besucherherz schlug höher, als das herbstliche Feeling durch ein hochwertiges und stilistisch sicheres Giveaway-Plakat beglückt wurde. Auch die übrigen Konzerte waren in aller Munde, man hörte von guten, neuen, unbekannten und sehr begabten Künstlern!

Wir freuen uns daher auf das New Fall Festival 2012, hoffen es dann ohne Soundmacken genießen zu können und setzen auf die Erfahrung und Souveränität der Veranstalter, im kommenden Jahr etwas mehr Rock’n'Roll in die Locations zu bringen, so dass das Publikum mit einer Prise des besonderen Etwas und nicht nur von sehr guter Musik in sehr guten Räumen überzeugt wird.

Bildnachweis: www.new-fall-festival.de

Veranstaltung: New Fall Festival