Rezensionen

Nenn mich einfach Axel

Von Andreas Kleindopf

Dummer Esel?

Nenn mich einfach Axel – der dänische Kinderfilm erlebte seine Uraufführung der Bühnenfassung. Die Komödie überrascht mit lebendigem Hiphop, guten Darstellern und witzigen Einzelszenen. Da wird geschrien, gesungen, geweint – ein bisschen Liebe kann auch nicht schaden und szenengerecht diskriminiert. Das aber war’s und alles in nur etwa zwei Stunden. Mehr nicht?

„Lügen bringt nichts“, „Nächstenliebe ist toll“ und „In einem Jugendclub kann man viel erleben“

Das Leben als Deutscher unter Moslems in Deutschland? Durchaus übermütige Perspektiven werden hier zumindest vermittelt, die eine Tiefe aber leider nur anzudeuten wissen und überhaupt kaum auf die offensichtlichen Punkte eingehen, außer auf bilderreiche Klischees hinzuweisen: Der Moslempapa führt einen Dönerladen, ein anderer, alkoholsüchtiger Vater vernachlässigt seine Pflichten, Streit zwischen kleinem Bruder und großer Schwester in der Familie A, Streit zwischen kleiner Schwester und großem Bruder in der Familie B, Moslems dürfen kein Schweinefleisch essen und beten fünf Mal täglich gen Mekka. Schade, sagt der Besucher und Großstadtmensch, der in seinem eigenen Revier tiefgründigere Erfahrungen sammeln durfte. Das jugendliche Straßenleben ist radikaler – wieso nicht auch das Bühnenstück?

Ein Beispiel: Komasaufen ist in der Realität ein alltägliches Vergnügen, während in diesem Klischeestück Alkohol ganz und gar verabscheut wird. Die Jugendlichen belehren sich sogar gegenseitig unter Tränen, wenn sie nur die verschlossene Flasche zufällig in der Hände bekommen. Mag es an der Film-Vorlage und an dem Genre liegen? Durchaus lobenswert, dass auch unter dem Aspekt, ein gewisses – dieses eine – Klischee zu brechen, eine anmutige Darstellung durchaus in Betracht gezogen werden könnte. Wenn dann aber im selben Atemzug der Versuch unternommen wird, einen höchst übertriebenen siebzehnjährigen Aufreißer-Moslem darzustellen, dann kann dieser nicht verniedlicht-„zensiert?“ werden, indem er Liebesgedichte schreibt und als Beleidigungmaßnahme nur „dummer Esel“ ruft. Was der Komödie das ernste, lustige nimmt und sie eher albern und unsicher wirken lässt, begrüßt der Jugendschutz – wenn aber in der darauf folgenden Szene ein kränklich wirkender Blinder plötzlich mit seinem Stock zu tanzen anfängt (endlich wird es einmal radikal!), dann wirkt das schon etwas lächerlich, wenn man die strickte Ebene der Wertevermittlung, die eben durch das komplette Stück eingehalten wurde, nicht mehr ganz nachvollziehen kann. Oder wie möchte man das dem jungen Publikum erklären? Allein durch die Tatsache, dass es sich bei dem Stück nur um eine Komödie handelt? Das aber hätte mehr verdeutlicht werden müssen, wenn die Handlung sonst völlig durch ihre verwirrende Durchsicht lebt und dann repräsentativ endet.

So viel darf erzählt werden: wenn zum Schluss die Worte „Nenn mich einfach Axel“ fallen, dann hat das auch seinen guten Grund. Da braucht es keinen Souffleur, der die Rollen mitflüsternd unterstützt. So bleibt das Stück durchaus merkenswert, aber ein Thema auf dem Nachhauseweg im ÖPNV ist es nicht – auch wenn in der Bahn einer dieser real existierenden Aufreißer auftaucht, dabei den dummen Esel raushängen lässt und die anderen Fahrgäste vor Überdruss am liebsten gen Mekka fliehen oder beten möchten.

Veranstaltung: Nenn mich einfach Axel