Von Johanna Merta
Samstag, der 2. April 2011. Ein perfekter Tag, um sich das alljährliche Event „Nacht der Museen“ genauer anzuschauen. Die Sonne scheint und es ist 25ºC warm. Ein reiches Spektrum wird angeboten und für jeden ist etwas dabei: von Musik über Literatur bis zu Sonderausstellungen. Und so sind auch unsere Erwartungen groß, und wir können es kaum erwarten, unseren Kulturmarathon zu starten. Als wir um 19 Uhr am Grabbeplatz ankommen, den Knotenpunkt dieser Nacht, strömen die Menschen von allen Seiten von einer Location zur anderen – Welche wird unser Start sein? Wir entscheiden uns für die Kunsthalle.
Hier werden die Werke von Ferdinand Kriwet ausgestellt. Beim Betreten des großen Raumes sind wir zunächst von der Größe und der Farbenvielfalt, die er verwendet, überwältigt. Eine Etage höher merken wir, dass Kriwet nicht nur mit der Größe, der Form und den Farben spielt, sondern sich auch für verschiedene Medien für seine Werke entscheidet. So sehen wir hier Videos und können uns Tonaufnahmen anhören, zu denen auch Skizzen ausgestellt werden, die von Kriwet angefertigt wurden. Doch eines ist in seinen Werken durchgängig vorhanden: das Wort. Es begleitet jedes seiner Werke. Mit dem Ausstellungstitel „Yester´n´Today“ zeigt der Künstler eindeutig, dass sich in der Medienlandschaft im Laufe der Zeit nicht viel geändert hat, obwohl die Menschen heute dies durchaus denken.
Von der Kunsthalle führt uns unser Weg zum Kunstverein, und wir lesen, dass es hier eine Ausstellung des polnischen Künstlers Michał Budny gibt. Als wir in den Ausstellungsraum treten, sehen wir einen Hauch von Nichts und fragen uns, ob das Absicht ist. Möchte uns jemand einen Streich spielen? Nein! Es ist tatsächlich Absicht des Künstlers. Durch den minimalistisch ausgestatteten Raum möchte der Künstler den Blick des Betrachters auf das Wichtige lenken. Nach und nach entdecken wir immer mehr: Die Schnur, die durch den Raum gespannt ist, ein Teil der Decke, die rosa gestrichen ist und auch das Stück aufgeklebter Folie auf dem Boden gehört zu seiner Ausstellung „Between“. Nachdem wir den Kunstverein verlassen haben, strömen die Menschen immer noch von einem Ort zum anderen und die Nacht hat Einzug gehalten. Wir gehen Richtung Rheinufer, um uns das Filmmuseum anzusehen.
Im Filmmuseum angekommen, entdecke ich die Entwürfe der Filmplakate, die beeindruckend sind, da sie gezeichnet sind und dadurch eine persönliche Note bekommen. Eine Eigenschaft, die man bei den heutigen Filmplakaten nur noch selten findet. Auf dem Weg nach oben hören wir Klänge aus einem Raum, die das Gebäude erfüllen und folgen diesen gespannt. Eine Band spielt Filmmusik. Wir stellen uns dazu und fangen an mitzuwippen. Wir könnten stundenlang zuhören, doch die Nacht ist kurz und es gibt noch viel zu sehen.
Gegen 24 Uhr sind wir im K21 angekommen und sehen uns die Ausstellung „Big Picture“ an. Eine große Projektion zeigt den Film „Forte!“ von Mark Lewis. Wir setzen uns auf den Boden und lehnen uns gegen die Wand, da unsere Füße sich melden und uns zu verstehen geben, dass sie langsam erschöpft sind. Der Film zeigt zunächst eine Alpenlandschaft, sie wirkt beruhigend. Langsam bewegt sich die Kamera nach links und nach kurzer Zeit erscheint eine Landschaft, in der eine Burg zu erkennen ist. Die Straßen laufen serpentinenartig von der Burg in die Stadt. Die Kamera bewegt sich langsam immer näher zur Burg hin und wir haben das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Nach dieser entspannten Vorstellung gehen wir wieder zurück zum Grabbeplatz, um uns die Fotografie-Ausstellung von Thomas Struth im K20 anzusehen. Leider sind wir schon sehr erschöpft, und so schauen wir uns nur einen Ausstellungsraum an. In diesem stellen Struths Dschungel-Fotos mit ihrer satten grünen Farbe einen Gegensatz zu den Schwarzweißfotos von Straßen großer Städte dar. Ich habe in dieser Nacht nur den einen Raum gesehen und weiß, dass ich wiederkommen möchte, um mir das Gesamtwerk anzusehen
Es ist bereits 1.30 Uhr und unsere Füße werden vom Schmerz dominiert. Höchste Zeit, um uns auf den Weg nach Hause zu machen, obwohl wir innerhalb von 6,5 Stunden noch lange nicht alles gesehen haben. Doch das, was wir gesehen haben, hat eindeutig Eindruck hinterlassen und wir sind in den KunstGenuss gekommen, der das Motto der diesjährigen „Nacht der Museen“ war.




