von Hanna Lessmann
„Erzählt uns eine Eurer wunderbaren Geschichten!“ – Immer wieder wird Baron von Münchhausen aufgeregt und erwartungsvoll gebeten, von einem seiner skurrilen, durchaus übertriebenen und realitätsfernen Abenteuer zu berichten.
So erleben wir als Zuschauer einen Münchhausen auf Reisen nach St. Petersburg, Dinkelsbühl oder auch Düsseldorf. Eine neue Umgebung steht für eine neue Geschichte, doch was verbindet diese Geschichten? Es sind nicht nur die unterhaltsamen musikalischen Einlagen von Eva Jantschitsch. Wir erleben Düsseldorf in den 80er-Jahren – mit Punkmusik, Campino und Joseph Beuys. Beuys, der durchgehend eine Rolle im Stück spielt, der stets mit Hut und Mantel auftaucht, in Verbindung mit Fett, Filz, Hasen und Hirschgeweihen steht. Beuys, der eins sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei. So entwirft Münchhausen einen festen Lebensplan: ein reisender Künstler wolle er werden, der sich Bewunderung verschafft. Doch wie wird man ein Künstler, was ist eigentlich eine künstlerische Leistung? Vielleicht die Erinnerungsfälschung, die Verquickung von Wahrheit und Lüge – um soziale Normen zu erfüllen und sich selbst zu bereichern? Dies ist zumindest die Meinung eines erscheinenden Arztes, der die Krankheit des zwanghaften Lügens – also des ständigen künstlerischen Schaffens – beschreibt. In Fachkreisen auch bekannt als „Pseudologia phantastica“. Doch das Lügen allein reicht nicht, man braucht Menschen, die sie glauben. Doch was ist dann noch Lüge und was Wahrheit? War die Mondlandung vielleicht nur eine Fälschung der USA? Die geglaubte Wahrheit wird in Frage gestellt. Haben wir überhaupt Erinnerungen, oder ist alles bloße Erfindung und Fiktion?
Wer sich gerne auf diese Fragen einlässt, gerne skurrilen und durchaus übertriebenen Erzählungen (oder auch Lügen?) zuhört, der sollte sich auf die amüsante Reise mit Münchhausen, der längst die Samen in die Welt gestreut hat, begeben. Wer einen ausgeprägten Sinn für Humor hat und weiß, dass Joseph Beuys in jedem Menschen einen Künstler sah und somit keine Grenzen setze, sollte sich diese „pseudologische Reise bis zum Mond“ nicht entgehen lassen.




