Rezensionen

Prince of Persia // FFT // 15.04.11

Produktion: Monster Truck & Charsoo

Von Katja Panyutina

Berauschend – so kann man die Produktionen der Gruppe Monster Truck bezeichnen. Die surrealen Bühnenwelten, bewohnt von seltsamen und oft einsamen Gestalten, machen die Theaterstücke stets zu einem Erlebnis. So auch „Prince of Persia“, das Ergebnis der ersten Zusammenarbeit von Monster Truck und der iranischen Gruppe Charsoo.

Ein schwarzer Turm; Sand rinnt im warmen Scheinwerferlicht herab, rieselt auf die Requisiten, auf die Schauspieler und verwandelt die Bühne in eine Wüstenwelt. Es geht um Helden in diesem relativ kurzen, aber intensiven Schauspiel – speziell um den Abenteurer aus dem titelgebenden Konsolenspiel. Durch die Wüste reisen, Abenteuer bestehen, den Feind besiegen und die geliebte Prinzessin heiraten – ist doch eigentlich klar. Oder? Eben nicht! Denn diese Geschichte ist nur der Rahmen für ein Stück, das in Wirklichkeit den ewigen Kampf eines Menschen mit sich selbst thematisiert.

„Wir haben uns erst (…) die Helden angeschaut in den deutschen Sagen und den iranischen Sagen und in Storys, die uns alle betreffen”, erzählt die Monster Truckerin Sahar Rahimi, „haben dann aber gemerkt, dass es uns mehr interessiert, wie ein einzelner Held eigentlich mit sich selbst kämpft“.

So kreisen sowohl die bildhaften Szenen mit schwarzen gesichtslosen Gestalten und deren flimmernden Fernsehern, als auch die Rahmengeschichte von dem Prinzen, dessen schlimmster Gegner er selbst ist, um die stets präsente eigene Fremdheit, die man nie abstreifen kann; die es unmöglich macht, völlig zu sich selbst zu finden. Den einzigen Ausweg – diese Fremdheit zu akzeptieren – erkennt der Prinz in dem Stück aber nicht. In einer Mischung aus orientalischem Gesang und Sprechen erzählt Ali Salahi (Charsoo), wie dieser im Kampf gegen tausend seiner Spiegelbilder sich selbst zerstückelt.

Der Kampf gegen sich selbst findet aber nicht nur innerhalb der Geschichte, sondern auch direkt auf der Bühne statt. Immer wieder gehen die Schauspieler an ihre körperlichen Grenzen – einen Fernseher hochhalten bis der Körper zittert, oder das ganze Stück lang wie der Esel in einer Mühle die Bühnenkonstruktion drehen. „Das ist das Material, mit dem wir eigentlich arbeiten. (…) Es geht schon darum, sich körperlich rein zu begeben in dieses Setting, was wir geschaffen haben und auch damit zu kämpfen; sich diesen Widerständen auszusetzen …”, so Sahar. „Es ist oft so, dass die Leute sagen, eure Stücke sind anstrengend, sie sind fordernd, es ist manchmal zu viel. Und das ist der Deal, den wir eingehen: Als Publikum müsst ihr euch dem aussetzen, aber wir setzen uns dem genauso aus. (…) Wir gehen auch auf eine Art an Grenzen.“

Ein bewusst sinnliches Erlebnis ist auch die Arbeit mit dem Sand, wie Sahar weiterhin erklärt: „Wir waren letztes Jahr mit der Gruppe im Iran und haben eine Wüstentour gemacht und wir fanden einfach, Sand muss in dem Stück vorkommen. Es ist eben diese Reise, die der Held macht und da musste ich den Sand im Mund haben, dieses Material spüren – es ist ganz wichtig, sich damit auseinander zu setzen.“

Mit sichtlich viel Leidenschaft, Ernsthaftigkeit aber auch Witz und Ironie („All by myself“ als finales Lied) erschaffen die zwei Gruppen auf der Bühne eine eigene Welt für das Thema der Eigenfremdheit. Eine Welt die den Deal, sich ihr auszusetzen, auf jeden Fall wert ist.

Fotos: Alexander Graf