Rezensionen

Nachbericht: Made in Düsseldorf // FFT // 26.06.11

Von Katharina Mannel

Bühnenmarathon der freien Theaterszene bei „Made in Düsseldorf“.

In dem Moment, in dem die Besucher den Raum im ersten Stock des Theatermuseums betreten, bricht eine Flut über sie herein: Eine Flut aus Bildern und Texten. Inmitten von Fetzen aus Straßenkarten und Werbekatalogen der Landeshauptstadt wispert eine Frau fiebrig die Namen der Stadtteile vor sich hin. Ein junges Mädchen in zerrissenen Strumpfhosen streunt ziellos umher, in der Hand eine offene Bierdose, in den Augen ein hoffnungsloser Ausdruck.

„Stadt-an-sich-ten“ heißt die Installation des Düsseldorfer Theaterkollektivs „Wellpapier“. Dabei wollte sie die Stadt aus einer neuen Perspektive zeigen und einen kritischen Blick auf die Informationsflut werfen, die einen täglich überschwemmt. Aber nicht nur in diesem Stück bricht eine regelrechte Flut über den Besucher herein, die Stücke des Theaterfestivals zeichnen sich besonders durch neue, kreative Ansätze und innovative Erzählformate aus, so verzichteten die Schauspieler und der Regisseur des Stückes „Horror Vacui“ sogar auf ihren Applaus, gingen raus und ließen das Publikum alleine im Saal des FFT sitzen – diese Figuren haben somit noch kein Ende gefunden und das Ende der Figuren wurde auch nicht durch den Applaus der Zuschauer herbeigeführt. Ein Ende was in einem großen Theaterhaus nicht alltäglich ist und was sich ein freier Theatermacher aber ohne Probleme leisten kann.

So verlockend die Arbeit als freier Regisseur auch ist, ist die Ungewissheit auch ein großer Nachteil, da man sich von Auftrag zu Auftrag hangeln muss. Der permanente Kampf um das nächste Engagement und das wirtschaftliche Überleben ist groß, denn oftmals gibt es mehr Schauspieler und Regisseure als an den Theaterhäusern benötigt werden. Umso wichtiger war es den Machern des Theaterfestivals, der freien und jungen Theaterszene eine Plattform zu bieten. Denn leider ist es oftmals so, dass die freien Künstler viel weniger Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit finden als die festangestellten. Genau dort hakte nun das Theaterfestival „Made in Düsseldorf“ ein, dass am vergangenen Wochenende den freien Theaterschaffenden die Möglichkeit gab, sich einem großen Publikum zu präsentieren und den Austausch zwischen ihnen förderte.

Geboten wurde den Besuchern des Festivals aber nicht nur Theater, sondern auch Tanz, Performance, Musik, Live-Hörspiel, Installation, Diskussion und Party. Jeweils am Ende des Tages schilderten erfahrene Theaterleute in der “Sprechstunde” ihre Eindrücke und gaben den Künstlern ein Feedback zu ihren Stücken. Das Festival versteht sich dabei aber ausdrücklich nicht als Leistungsschau, sondern will ein Forum der Vielfalt sein. Es finden sich dort etablierte freie Gruppen ebenso wie ausgesprochene Neulinge. An drei Tagen konnte man mehr als 23 Bühnenwerke sehen, ein Theatermarathon von Station zu Station – unmöglich alles zu schauen. Doch trotz der vielen Eindrücke fühlte man sich am Ende eines Theatertages nicht erschlagen von der Bilderflut, sondern inspiriert und künstlerisch aufgeladen.

Mehr als hundert Künstler zeigten an drei Tagen auf den fünf Bühnen des FFT und Theatermuseums ihre Stücke und Performances. Am Ende des Festivals sollte dann die Erkenntnis stehen: Die freie Szene der Stadt bewegt sich und uns.

Veranstaltung: Made in Düsseldorf