Von Teresa Inclan
Was braucht es, damit sich Zuschauer zwischen 9 und 99 Jahren vor Lachen kaum halten können und im nächsten Moment begeistert den Atem anhalten?
Man nehme vier kreative belgische Jungs und einen Koffer, gefüllt mit Jonglierzubehör und gebe ihnen eine Bühne mit erwartungsvollem Publikum. Genau das geschah bei der deutschen Erstaufführung des Stücks „m²“ der Compagnie „Ea Eo“ am Sonntag im tanzhaus nrw im Rahmen des „Take-off: 5. Festival Junger Tanz“.
Das Quartett verzauberte das Publikum mit viel Witz und Aktion. In einem bunten Mix aus Jonglage und Tanz thematisieren sie Alltagssituationen und reflektieren kritisch unsere Gesellschaft. Sie ahmen Polizisten nach, welche streng Verordnungen vorlesen, weil mal wieder niemand im Bus seinen Platz frei macht. Sie erzählen von ärgerlichen Klingeltönen und Drängeln im Zug, von schlaffen Händedrücken und Zuckergehalt in Coca Cola.
Dabei bauen sie Kinder- und Klatschspiele, wie „die Reise nach Jerusalem“ und „nicht-den-Boden-berühren“ in ihre Performance ein und schneiden das Stück gekonnt auf ein junges Publikum zu.
Die Bühne verkleinert sich stetig und wirkt bedrängender. Vor allem Eric sticht heraus, als müsse er sich profilieren und seine Männlichkeit unter Beweis stellen, während er nur noch in Boxershorts bekleidet posiert. Die Gruppe versucht sich neben den vielen kleinen Streitereien immer wieder zu versöhnen und ihre Gemeinschaft zurück zu gewinnen.
Das Stück erreicht in der letzten Szene seinen Höhepunkt, wenn die Bühne nur noch einen m² groß zu sein scheint und Erics jonglierende Hände mit denen der Anderen zu verschmelzen drohen. Es ist kaum noch zu unterscheiden, wer die Bälle steuert. Während die Musik dramatischer wird, sieht es so aus, als fühle sich Eric unbehaglicher in der Gruppe. Das Stück endet. Eric springt. Dunkelheit.
Ob das Ende bedeutet, dass Eric sich nicht in die Gesellschaft eingliedern will oder einfach nur eine Abkühlung braucht, darf sich jeder Zuschauer selbst denken. Fest steht aber, dass das Quartett schafft, Jung und Alt in einem einzigartigen, lustigen Stück zu begeistern und feinfühlig die Rolle des Individuums in der Gemeinschaft zu thematisieren.
Foto: Damien Thiberge




