Rezensionen

Lola // RLT Neuss // 18.10.11

Von Miriam Bittner

Erste Frage: Warum ging’s bei  dem Stück eigentlich? Keine Ahnung, ich weiß es nicht, bis heute nicht. Ich glaube, irgendwas mit 50er Jahre Nachkriegszeit, Wiederaufbau und Wirtschaftskrise, irgendwas mit Kommunismus und Kapitalismus und käuflicher Liebe.

Da haben wir auch gleich den Grund dafür, wieso die Handlung eigentlich zweitranging gewesen ist: die käufliche Liebe! Jaja, ich war ein wenig abgelenkt von den leicht bekleideten Damen, die sich auf einer weinroten Samtcouch geräkelt haben, von dem Sekt, der in Strömen über die Bühne geflossen ist und den Rauchwolken der „Nuttenstängel“. Und irgendwie war ich auch geblendet von Lolas funkelndem und glitzerndem Abendkleid, während sie ein kleines Solo trällerte.

Gekonnt würde ich als Laie behaupten.

Was mich an dem ganzen Abend allgemein am meisten beeindruckt hat, war nämlich nicht das Stück selbst, sondern vielmehr die Schauspieler. Dass man als Schauspieler ein Allroundtalent sein muss, sportlich, spontan, lustig, ernst, böse und so weiter und so weiter, das ist wohl jedem klar, aber das einige von ihnen so gut singen können, das ist mir neu. „Lola“ hatte beinah schon mehr von einem Musical, als von einem Theaterspiel.

Die drei-Leute-Swing-Band, die schräg links im Hintergrund positioniert war, sorgte dafür, dass sich das Publikum tatsächlich zurück in die 50er versetzt gefühlt hat.

Saxophon, Cello, Klarinette, Gitarre … Eine erstklassige Mischung!

Also, dieses Stück ist wohl eher weniger etwas für Leute, die auf ernsthafte Nachkriegsklassiker stehen (obwohl es der dritte Teil der Fünfzigerjahretrilogie von Rainer Fassbinder ist), sondern mehr für leicht Vergnügte, die auch mal Spaß damit haben, im Theater Musik zu genießen und auf dem Stuhl mit zu wippen.

Drei Sterne für die Burlesqueshow!

Veranstaltung: Lola