Von Susanna Ott
Düsseldorf ist um einen kulturellen Leckerbissen reicher! Der Salon des Amateurs ist den meisten Nachtschwärmern bereits als Club bekannt, der regelmäßig namhafte DJs an die Mischpulte holt; während er tagsüber ein Ort ist, an dem man den Blick über die Kunstsammlung NRWs schweifen lassen und gleichzeitig seinen Kaffee genießen kann. Doch seit April dieses Jahres debütiert der Salon jeden ersten Dienstag im Monat als Literaturclub. Mit einer neuartigen Lesereihe, die von einem kleinen Autorenkollektiv ins Leben berufen wurde, wird dort freien Autoren eine Plattform für ihre Prosa oder Poesie geboten.
Zur 4. Veranstaltung des Literaturclub Düsseldorf (LCD) waren die Autoren Christoph Wenzel (Aachen), Ferdinand Scholz (Düsseldorf) und Dagmara Kraus (Leipzig) eingeladen, um Ihre Texte zum Thema zeitgenössische Literatur vorzutragen. Nacheinander wurde vor einer großen, beleuchteten, weißen Wand und hinter einem grauen Block, der sich als Lesepult tarnte, gelesen.
Christoph Wenzel gab nicht nur Lyrik aus seinem Gedichtband „Tagebrüche“ zum Besten, sondern auch Teile aus seinem bisher unveröffentlichten neuen 24-teiligen Gedichtzyklus. Mit der Frage „Was macht Gedichte aus?“ beschäftigte sich Ferdinand Scholz in seinen äußerst geistreichen und schlagfertigen Gedichten aus seinem Werk „Ocktavenmännchen Sissimo“. Für den Abend hätte er es nicht treffender formulieren können, dass „Poesie die Sinne bebildert“.Als letztes begeisterte dann Dagmara Kraus mit ihren experimentellen Gedichten, in denen sie nicht nur mit Anagrammen und Neologismen spielte, sondern auch die komplette Syntax Ihrer Sätze aufbricht, um vollkommen neue Strukturen zu komponieren. Ihre zarte und leise Stimme setzten ihre lauten und aus bombastischen Wortassoziationsketten bestehenden Gedichte perfekt um. Durch den melodischen Klang Ihrer Gedichte hatte man fast das Gefühl, dass Sie Lieder vorgetragen hätte.
Für mehr Literaturgenuss muss man sich jedoch vorerst gedulden Im August wird der Literaturclub Düsseldorf erst einmal pausieren, um uns dann am 6. September zum Thema „aus dem Hinterland“ erneut feinste Literatur zu bescheren.




