Rezensionen

Kunstpunkte 2011 // 15.09.11

Von Claudia Lapin

Wer kennt diese Situation nicht: Man steht im Museum, schaut sich ein besonders skurriles Gemälde an oder eine abstrakte Skulptur und fragt sich unweigerlich: „Wer ist diese Person, die so etwas geschaffen hat? Wer steckt hinter diesen Ideen? Was geht ihr in dem Moment durch den Kopf?“

All denen die sich nun denken: „Kenn‘ ich!“, kamen die Kunstpunkte wohl sehr gelegen. An den ersten September Wochenenden öffneten zum fünfzehnten Mal 266 Ateliers mit mehr als 500 ausstellenden Künstlern. Hierbei reichte das Spektrum von Malerei, über Fotografie, bis hin zur Performance. Am zweiten Wochenende der Kunstpunkte war besonders die Ackerstraße „the place to be“. Insgesamt acht Ateliers konnten hier besichtigt werden, darunter die Schaffensräume von Felicitas Lensing-Hebben, Uwe Juchum und Thomas Reiring.

Diese Tour leitete mich durch versteckte Hinterhöfe, in kleine, ein wenig heruntergekommene Ateliers, aber auch in wunderschöne, helle Galerien. Bereits beim Betreten dieser Schaffensräume stieg mir der Duft von Ölfarben und Acryl in die Nase. Von der cleanness und Ordnung einer Galerie oder der, fast schon absurden, Organisation eines Museums war hier nichts zu sehen: Meist lagen die Farbtuben und Pinsel noch wild verstreut auf Tischen und in Regalen, so dass man das Gefühl hatte, der Künstler hätte sich gerade erst von seiner Arbeit abgewandt. Natürlich waren die Räumlichkeiten allein nicht die einzige Attraktion, auch die Werke der Künstler wurden ausgestellt. Betrat man eines der Ateliers, wurde man stets freundlich begrüßt, jedoch nicht von irgendeinem Galeristen, oder Museumsführer, sondern von den Künstlern selbst. Nun hatte man endlich die Gelegenheit, die Werke parallel zum Erscheinungsbild des Künstlers zu betrachten.

Norika Nienstedt saß elegant auf einem Stuhl, hatte ihr weißgraues Haar über ihre Schulter gelegt und strahlte etwas mysteriöses aus, was sich in ihren Zeichnungen und Collagen widerspiegelte. Unverkennbar war auch die Zugehörigkeit von Axel Hippe zu seinen Werken. Statt einfach nur dazusitzen, nahm er sich bei jedem Besucher die Zeit, sein Werk zu erläutern. Mit einem befreundeten Schriftsteller hielt Hippe, gegen Ende des letzten Tages der „KUNSTPUNKTE“, eine Lesung mit musikalischer Begleitung, welche meiner Meinung nach eines der Highlights der gesamten Veranstaltung war.

Ich kann nicht genau sagen ob es allgemein ein Vor- oder Nachteil ist, wenn man beim Betrachten von Gemälden oder Skulpturen, das Gesicht des Künstlers vor Augen hat. Wahrscheinlich ist es jedoch auch nicht die Intention der „Kunstpunkte“, dies herauszufinden. Für mich waren die beiden Wochenenden einfach eine schöne Erfahrung, die Möglichkeit sich mit Künstlern, aber auch Kunstinteressierten auszutauschen und zeigten mir wieder einmal, dass Düsseldorf nicht nur Gucci, Chanel und Louis Vuitton zu bieten hat, sondern, dass sich in seinen Hinterhöfen und Gassen auch großartige Kunst versteckt.

Bildnachweis: Kulturamt der LH Düsseldorf

Veranstaltung: Kunstpunkte 2011