Rezensionen

Körperwelten der Tiere // Köln Zoo // 01.09.11

Von Miriam Bittner

Eine Plastinatenausstellung im Kölner Zoo
Ehrlich gesagt, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich mir diese „Ausstellung“ tatsächlich angucken sollte oder nicht. Wie würde das sein, die freigelegten Muskeln von Schafen und Ziegen direkt vor der Nase zu haben, echte tierisches Gewebe, Blutgefäße, Innereien? Würde es womöglich komisch riechen? Nach Verwesung und Tod? Ein Katzengehirn? Ist ja ekelig! Aber so ist der Mensch eben: Ekelfaktor reizt und Neugier siegt! Also löste auch ich mein Ticket für Gunther von Hagens Horrorkabinett. Und wurde ein wenig enttäuscht.

Die Ausstellung im Kölner Zoo spaltete sich in zwei Teile: Im Ersten lag der Fokus vor allem auf Meerestiere wie Fische, Haie und Kraken, sowie Nutztiere bzw. Haustiere wie Katzen, Pferde, Schafe, Ziegen, Ochsen. Interessant – definitiv – aber in der Hinsicht enttäuschend, als dass die Plastinate für meinen Geschmack eher künstlich wirkten, nicht wirklich „echt“. Ich hatte das Gefühl, eher eine sehr naturgetreue Plastiknachbildung zu betrachten, als echtes, konserviertes Gewebe. Natürlich, wer hat schon mal die Möglichkeit, ein Oktopusauge von Nahem zu betrachten (sieht aus wie ein Opal! Wunderschön!) oder ein Pferdekopf aufgeschnitten in drei Scheiben zu bewundern (viel Nase, wenig Hirn!).

Der zweite Teil, der sich eher auf größere Tiere wie Bär, Strauß, Gorilla, Giraffe und Elefant(!) spezialisierte, war dann auch um einiges interessanter. Allein die Nachbildung der/des Elefantenmuskulatur/-skeletts, die/das so schwer war, dass sie durch Eisenstreben gestützt werden musste, imponierte. Wenn man so etwas sieht, beginnt man sich zu fragen: Wie ist es möglich, so einen Koloss in ein Becken mit Chemikalien zu bugsieren? Und wie groß muss der Haufen sein, der in einem oberarmgroßen Darm steckt? Alles in allem hat diese Ausstellung nichts mit Horrorkabinett zu tun, man sieht weder Blut noch halbrohes Fleisch. Die Abstraktion ist da, man muss nicht fürchten, dass das fußballgroße Pferdeherz im nächsten Moment wieder zu schlagen beginnt. Biologieunterricht hautnah, würde ich sagen.

Oder ist das Kunst? Eine Frage, auf die ich nicht wirklich eine Antwort weiß, denn künstlerisch sind die feingliedrigen, rotschillernden Arteriengeflechte mit Sicherheit. Mein Tipp: Reintrauen – und bis zum 30. September im Kölner Zoo anschauen!