Von Claudia Lapin
William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ handelt von zwei Schwestern, Bianca und Katharina, die sich dauernd streiten. Das liegt vor allem daran, dass Bianca – die jüngere von beiden – viele Verehrer hat, ihr jedoch von ihrem Vater solange die Erlaubnis zum Heiraten verwehrt wird, bis Katharina einen Ehemann gefunden hat. Diese ist jedoch alles andere als beliebt bei ihren männlichen Zeitgenossen. Somit schmieden Biancas Verehrer den Plan, sie mit Petruchio zu verkuppeln. Dies erweist sich jedoch als schwierig, denn „Kathi will nicht“.
„Langweilig!“, ertönt es aus dem Publikum, als die erste Szene aus Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ gerade aufgeführt wird, in der sich die zwei Schwestern Bianca und Katharina streiten. Das Schauspiel wird kurzzeitig unterbrochen als Nathalie auf die Bühne springt und lauthals gegen das gerade Gezeigte protestiert. Viktoria kommt hinzu. Nun beginnt eine rege Diskussion: Nathalie hält Shakespeare für „langweilig“, Viktoria hingegen versucht, sie für seine Werke zu begeistern. Doch einig werden sich die beiden nicht. Somit gestaltet Nathalie die gerade gezeigte Szene kurzerhand nach ihren „modernen“ Vorstellungen um. Heraus kommt dabei ein Schauspiel, das man heutzutage wohl eher im RTL Fernsehen bei „Mitten im Leben“ bewundern könnte: „Du Bitch!“ beschimpft Katharina ihre Schwester, und präsentiert den Zuschauern einen wahren Zickenkrieg.
Wieder stoppt das Schauspiel, weil Viktoria etwas an dem Niveau von Nathalies Kreation auszusetzen hat. Nun switcht das Stück zurück in seine ursprüngliche Fassung, um dann erneut von Nathalie modernisiert zu werden. So gestaltet sich nun das gesamte Theaterstück. Aus der Shakespeare Komödie wird eine Debatte zwischen Fans und Gegnern. Langweilig altmodisch, nicht zeitgemäß? Oder doch zeitlos, spannend und von höher literarischer Bedeutung? Wieso ist es für jedes renommierte Theater beinahe Pflicht, ein Shakespeare-Werk in sein Programm aufzunehmen?
Diesen Fragen nimmt sich der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Gerresheim, unter der Leitung von Mike Weyrauch, an. Unter dem Titel „Kathi will nicht“ zeigen die Darsteller ihre ganz eigenen Vorstellungen von einer modernen Fassung des Shakespeare Werkes. Mit Tanz-und Gesangseinlagen wird aus dem „altmodischen“ Stück, eine jugendfreundliches Theateraufführung mit „Hartz4-Fernseh“-Charakter. Dem Zuschauer werden in diesem Theaterstück somit zwei Extrema präsentiert. Doch welche Version ist nun besser? Das Fazit der Protagonisten: Man muss eine Balance zwischen der Moderne und dem ursprünglichen Shakespeare-Theater finden.
Der Literaturkurs des Gymnasiums Gerresheim schafft es, mit viel Humor auf die heutige Problematik vieler Theater aufmerksam zu machen. Die heutige Jugend ist an altmodisch inszenierten Werken nicht mehr interessiert. Genau dieses Problem haben dich die Darsteller zu Nutze gemacht, und ein Stück präsentiert, dass der Jugend des 21. Jahrhundert nicht nur ein Spiegel vor ihr Gesicht hält, sondern ihr ebenfalls zeigt, dass Theater nicht immer ernsthaft sein muss, sondern auch lustig und spannend sein kann.
Trotz einiger Textpatzer weisen die Darsteller einen hohen Grad an Professionalität und Talent auf, und schaffen das Gerücht, der Literaturkurs sei nur zum Herumsitzen da, ein für alle Mal aus der Welt.




