Rezensionen

KAI 10 Raum für Kunst

Katharina Mannel

Schicksalhafte Ironie oder Ironie des Schicksals

Der KAI 10 Raum für Kunst näherte sich an diesem Abend der Frage, ob die Ironie noch Bestandteil der heutigen Kunstszene ist, wie sie gedeutet werden kann und welche Zugänge es zu dem Thema Ironie gibt. Das Gebäude auf der Kaistr. 10 im Düsseldorfer Medienhafen liegt etwas versteckt und stellt eine kleine Perle im Hafen dar, man entdeckt es nicht sofort wie die Kunsthalle oder das NRW Forum, aber Austern schützen ihre Perlen bekanntlich ja auch durch eine harte Schale. KAI 10 Raum für Kunst ist eine private, nicht-kommerzielle Institution zur Förderung der zeitgenössischen Kunst. Sie realisiert jährlich drei bis vier Ausstellungen, die internationalen Künstlern eine Plattform zur Präsentation und Diskussion ihrer Arbeiten bieten und auch immer den Austausch mit den Besuchern sucht.

So auch an diesem Abend, denn neben der Ausstellung hatte man die Möglichkeit, mit dem Team von KAI 10 zu sprechen und die Werke gemeinsam zu ergründen. Was nicht bei jedem Werk, aber bei einigen nötig war. Denn wir sprechen hier von keiner Ironie, die mit Anführungszeichen auf sich aufmerksam macht, sondern einer Ironie, die durch ihre Subtilität und damit auch Radikalität glänzt. Wir können es nicht sofort greifen und müssen uns langsam an die Fotos, Malerei, Video-Installationen und Skulpturen herantasten. Sie geben ihre Bedeutung nicht auf den ersten Blick preis. So auch bei dem Foto „Glückliche Ehe mit Neuerscheinungen“ von Daniela Comani. Man sieht ein Ehepaar gemeinsam im Bett, beide in ihre Lektüre vertieft. Auf den ersten Blick ein ganz normales Pärchen, aber wenn man einen zweiten Blick auf die Bücher wirft, zeigt sich wie hier mit Geschlechternormen gespielt wird. Er liest „The Old Woman and the Sea“ von Hemingway und sie liest “Monsieur Bovary” von Flaubert. Die Männlichkeit des alten Mannes und das Meer wird hier zur Weiblichkeit und die selbstsüchtige Madame Bovary wird zum Monsieur, alles ist umgedreht. Aber gerade in dieser Arbeit zeigt sich, wie schwer es ist Ironie zu identifizieren. Zur Identifikation und Akzeptanz von Ironie bedarf es eines gemeinsamen kulturellen Kontextes. Aber gerade die Globalisierung erfordert es, gewohnte und alltägliche Werte und Erfahrungsmuster in Frage zu stellen. Dabei steht auch die Ironie auf dem Prüfstand, denn sie ist umso abhängiger von kulturellen Kontexten. Bei einigen Werken gelingt es diese Fragestellung nachzuvollziehen, bei einigen bleibt sie uns verschlossen. Wenn zum Beispiel ein kaputter Stuhl, auf den ein großer Stein gefallen ist, als Installation gezeigt wird, fragt man sich ernsthaft, ob hier die Ironie oder der Stuhl auf den Prüfstand stand.

Das eigens für die Nacht der Museen entwickelte Video-Programm zeigte den vielfältigen Einsatz von Ironie im kulturellen wie sozialen Kontext. Von Pablo Wendel, der sich als chinesischer Krieger in die Terrakotta-Armee Xians einschleicht bis zu Christian Jankowskis „Die Jagd“, in der er mit Pfeil und Bogen im Supermarkt auf die Jagd nach Lebensmitteln geht, war die Ironie von kultureller wie sozialer Sicht aus beleuchtet und rang den Besuchern manch herzhaftes Lachen ab. Doch ist Ironie wirklich zum Lachen da? Betrifft sie nicht eher den ganzen Menschen und seine grundsätzliche Lebenshaltung? Das Verstehen von Ironie ist ein Prozess, bei dem der Groschen fallen muss, denn ihre einfachste Form besteht darin, das Gegenteil von dem zu sagen, was gemeint ist. Wenn wir bei den Videos sofort lachen können und die Installationen uns nicht zugänglich sind, stellt sich die Ausstellung zu Recht die Frage, ob die sprichwörtliche Ironie des Schicksals zum Schicksal der Ironie selbst geworden ist.

Veranstaltung: KAI 10 Raum für Kunst