Rezensionen

Julian Schnabel. Polaroids

Von Antonia Alessia Virginia Beeskow

Eine Fotografie einer Landschaft. Mit groben, aber dennoch entschlossenen Pinselstrichen zeichnen sich dort in lila Farbe Blumen und Gräser ab. Es ist nichts Besonderes, aber es ist schön.

Julian Schnabel. Er ist Regisseur, ist Künstler und Maler, ist Vater. Und seit einiger Zeit Fotograf. Er bevorzugt eine 20 x 24 inch-Polaroid Kamera auf Rollen – aus den 70ern und schießt damit Polaroidbilder von großem Ausmaß. Bisher kannte ich die Sofortbilder eher von kleinen Feiern und Feten, „zur Erinnerung“, klein und kompakt, „Sieht cool aus, so retro!“ oder aus Bildbänden, etwa von Andy Warhol, oder einfach von früher. Die Filme werden mit einigen, wenigen Ausnahmen nicht mehr hergestellt. Zu teuer. Zu alt.

Dabei ist das doch gerade das Schöne an ihnen. Dieses alte, unperfekte Etwas. Wenn die dunkle, schwarze Farbe an den Rändern sich verdichtet, zusammenläuft und kleine Rillen und Risse bildet. Wenn die Farbe langsam ausbleicht und vergilbt, ohne dass jemand über Photoshop Hand angelegt hat. Wenn jemand aus Versehen die Augen geschlossen hat, weil man zu lange mit dem Fotoschuss gewartet hat. All das bewahrt Julian Schnabel in seinen Fotografien auf, das Perfekte wie das Unperfekte.

Die Polaroids zeugen keineswegs von hoher Kunst, drücken eigentlich auch nicht mehr aus als das, was auf ihnen zu sehen ist: Menschen, Landschaften, Häuser. Sie könnten ebenso gut in einem von diesen Hochglanzmagazinen in einer langen, „exklusiven“ Fotostrecke über den „Regisseur des Kultfilms <i>Schmetterling und Taucherglocke</i>“ stecken. Das tun sie aber nicht. Sie hängen die Treppe hoch im NRW-Forum und erstrecken sich über die gesamte Etage. Es sind private Fotografien, Schnappschüsse, aus dem Leben Gegriffene – „It’s about life.“ So posiert Julian Schnabel mit Freunden in seinem Atelier, fotografiert sich stolz mit seinem Hund oder macht heimlich Bilder von anderen, wie sie die großen Leinwände mit seinen Gemälden aufstellen. Schädel von Tieren, die bizarr, rustikal und exotisch zugleich wirken, finden sich als Motive wie auch die Gesichter längst Verstorbener. „Ich hatte diese Bilder von diesen Menschen und habe sie einfach mit meiner Kamera wieder fotografiert“, erklärt Julian Schnabel in einem Interview. In der langen Reihe von Portraitfotografien, die leicht verblassen in Farbe und Form, lässt sich schwer der Unterschied zwischen Alt und Neu unterscheiden, wenn man nicht alle Persönlichkeiten, die Julian Schnabel durch seine Arbeit kennengelernt hat, selbst wiedererkennt. Da ist z.B. Mickey Rourke, wie er lachend mit Julian Schnabel posiert, da ist aber auch ein traurig dreinblickender Mann von Vorvorgestern. Die „Haarbilder“ von ihm und seinen Töchtern zeigen einen Vater, der auch mal Spaß versteht. Die in seinem Atelier einen Mann, der zufrieden mit sich selbst ist.

Mir gefielen die Fotografien eigentlich sehr gut. Sie erinnern zwar stark an Modefotografien, die auf coole und oftmals oberflächliche Art und Weise den „Charakter“ der „Celebrities“ ergründen wollen, doch Julian Schnabel ist meiner Meinung nach anders. Bei ihm wird man eingeladen, sich alte Fotos (von früher) anzuschauen und noch ein Weilchen zu bleiben.