Von Antonia Alessia Virginia Beeskow
Die „Parallelprozesse“ der Düsseldorfer Kunstsammlung fügt in diesem Herbst das Werk Joseph Beuys’ in einer umfangreichen Retrospektive wieder zusammen. Es ist die größte Werkschau des aus Krefeld/Kleve stammenden Künstlers seit dessen Tod 1986.
Man schreitet durch die hohen Hallen des neuen Kunstsammlungsgebäudes und trifft auf die großen Rauminstallationen, Skulpturen, Mitschnitte der Happenings und Aktionen, für die Beuys mir im Kopf ein hell leuchtender Begriff ist. Aber auch Überreste wie Bücher, Zeitungsartikel des Schaffens, sowie Gemälde und Zeichnungen sind zu sehen. Besonders diese oft nur mit Bleistift Gezeichneten wirkten auf mich überraschend schön, ausdrucksstark. Zudem sind sie ein bekennendes Zeichen, dass Joseph Beuys durchaus „Künstler“ war.
Denkt man an Joseph Beuys, so denken viele laut zur Ausstellung veröffentlichten Zeitung an einen „Mann mit Hut“ und „der verrückte Sachen gemacht hat, aber keinen Style hat“. Dieses wohl extra für Jugendliche recherchierte und veröffentlichte Blatt sollte den Querdenker und „behüteten“ Schöngeist näher bringen und verständlich machen, denn Beuys ist meiner Meinung nach alles andere als ein paar Farbkleckse in einer schön zusammengestellten Konstellation. Er ist oft überhaupt gar nicht schön, eher düster und ein bisschen verstörend. So wirkten zumindest die Installationen, z.B. „Das Ende des 20. Jahrhunderts“, des in Düsseldorf ehemals werkenden Kunstprofessors auf mich. Eine klar verfolgte Linie, aber schroffe Formen, Gegenstände aus dem alltäglichen Zusammenhang herausgerissen und neu installiert, die oft sehr bizarr den Betrachter zum Denken, Nachdenken anregen. Die große Meisterleistung Beuys’, finde ich, womit wohl auch der Begriff „Soziale Plastik“ in Zusammenhang gebracht werden kann – wir sind alle Künstler. Wobei dieser Ausspruch natürlich nicht genau sagt, was er meint. Es bedeutet viel mehr, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt kreativ zu sein und diese Kreativität, diese Kunst auszudrücken nur entwickelt und gefördert werden muss, wie auch das Sprechen erst ausgebildet wird. Aber Beuys ist nicht nur Mentor gewesen, er war Visionär, Provokateur, Vorbild und Schamane für viele.
Besonders eindrucksvoll, oder besser: eindrucksvoll, wenn man sich das Ganze durch den Kopf gehen lässt, finde ich eindeutig die Überreste der Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ bzw. die Aktion selbst. Beuys überzog am 26. November 1965 sein Gesicht mit Bienenwachs und Honig, hielt einen toten Hasen fest im Arm und führte ihn durch die Galerie Schmela in Düsseldorf, Bildern entlang, die er dem toten Tier scheinbar erklärte. Diese Aktion muss traurig und schön zugleich gewesen sein, zumindest finde ich sie äußerst „gedankenbewegend“, aussagekräftig ohne den Mund aufzumachen. Beuys hat wohl gesagt, dass er mit diesem „Gegenbild“ erklären wollte, dass der Mensch durch seine von Vernunft gesteuerte Gedankenwelt mindestens genauso viel von Kunst versteht wie ein toter Hase. Generell muss Beuys ein Künstler mit konstantem Einsatz gewisser Materialien, Fett, Filz, Honig, eine braunrote Farbe, etc. und gewisser Motive, Hase, Hirsch, Schamane, etc. gewesen sein, die alle das Gesamtwerk anleiten und beherrschen, so dass die Arbeit Beuys’ vielleicht nur insgesamt verstanden werden kann. Ein Punkt, der zum Nachdenken anregt.




