Rezensionen

Janet Cardiff – The Forty Part Motet

Von Susi-Lili Duchow

Aufgebaut ist die Klanginstallation „The Forty Part Motet“ der kanadischen Künstlerin Janet Cardiff im leeren, kahl und kalt wirkenden Back-Raum des CON-SUMs. Aus 40 Lautsprechern ertönen 40 einzeln aufgenommene Stimmen, die aufgeteilt in 8 Chören à 5 Stimmen (Sopran, Alt, Tenor, Bariton und Bass) im Raum verteilt sind. Dabei kann der Zuhörer sich zwischen den Stimmen bewegen und dem Chorwerk „Spem in alium nunquam habui“ (1573) des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Tallis aus verschiedenen Positionen lauschen.

Beginnend mit einer Stimme des ersten Chors entwickelt sich eine Bewegung bis zum achten Chor und hin zu einem Finale, bei dem alle Stimmen der vierzigstimmigen Motette singen. Diese Bewegung ist nicht nur eine akustische Erfahrung, sondern schafft auch eine gewisse Räumlichkeit durch die Komplexität des Klangs. Geschaffen wird somit ein überwältigendes Klangerlebnis, „das Musikstück aus der Perspektive der Sänger zu erleben“, so die Intention Janet Cardiffs. Und tatsächlich berührte mich diese simpel scheinende, sich doch als vielschichtig erweisende Installation so sehr, dass mir vor Ergreifung Tränen in die Augen schossen.