Von Katharina Mannel
„All that Jazz“ – Die Session in der Jazz-Schmiede
Leicht gedämpftes Licht, die Kerzen flackern auf den Tischen und das Publikum ist erwartungsvoll und trotzdem lässig zurückgelehnt – sie wissen nie, was kommen wird. Jeden Dienstag findet die Session in der Jazz-Schmiede statt und man weiß nie, wer die Bühne betreten wird und was mit welchem Instrument gespielt wird. So wird jeder Dienstag in der Schmiede zu einer kleinen Überraschung. Der ein oder andere Musiker ist schon bekannt, da wäre der Schlagzeuger, der beim Spielen immer so lächelt, dass man glauben könnte, Musik wäre nicht nur seine erste, sondern auch seine größte Liebe oder der Bassist, der den Beinamen „Holzhacker“ trägt, da die Töne seiner Walking-Bass Lines mit voller Wucht wie ein Beil durch den Raum schlagen.
Doch bevor die Bühne frei ist für die Musiker und für alle, die genügend Mut haben, spielt eine Vorband auf der Bühne der gemütlichen Schmiede. Bassist, Pianist und Drummer, eine klassische Trio-Besetzung für die Jazz-Musik, doch sind die Songs, die die drei spielen keineswegs klassisch. Schnell und wie die Beinchen kleiner Spinnen huschen die Finger des Pianisten hin und her und der Drummer fegt mit seinen Stick von Becken zu Becken, beide fast schon zittrig und bebend. Der schnelle Takt und die Brechung des Rhythmus’ stehen auf dem Programm. Der Pianist und Drummer werden flinker – nur der Bassist mit seiner großen Lady ist der Ruhepol der drei. Er umarmt sein Instrument wie eine hübsche Frau und zupft mit viel Bedacht ihre Seiten. So wird er nicht nur zum Ruhepol, sondern auch zum Ankerpunkt für den Zuhörer. Wirkt der Rest des Trios manchmal etwas gehetzt, gibt er dem Trio die harmonische Ruhe wieder zurück. Für eine Session ein wunderbarer Einstieg, denn es muss nicht immer alles perfekt sein, weil es viel spannender ist zu beobachten, wie die Musiker sich langsam und vor allem zueinander finden.
Nach einer kurzen Pause betreten die ersten Musiker die Bühne, eine Sängerin hat sich dazu gesellt. Sie singt den Klassiker Fly me to the moon und obwohl man die Nervosität der blonden Frau mittleren Alters merkt, könnte man meinen, wenn man die Augen schließt, sie sei Afro-Amerikanerin – so viel Soul liegt in ihrer Stimme. Plötzlich betritt ein älterer Herr mit Hut die Bühne, dem man sogar etwas Ähnlichkeit mit Udo Lindenberg nachsagen könnte. Er fängt ein Solo auf seiner Melodica an – eine Art Keyboard, in das man hinein blasen kann und bei dem durch den Luftstrom und das gleichzeitige Anschlagen der Tasten Töne erzeugt werden. Verstärkt durch die kauzige Art des Mannes mit Hut, avanciert er schnell zum Publikumsliebling und setzt sich danach auch noch an das Piano. Alles kann, nichts muss, dies ist das Motto jeder Session. Jazz bedeutet für viele Freiheit, künstlerische Freiheit und Freiheit in der Musik, so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Musiker selbst ihre Freiheiten nehmen, aber trotzdem nach und nach zu einem Klangbild zusammenwachsen, zu all dem, was Jazz sein kann.
Die Session findet jeden Dienstag ab 20:30 Uhr in der Jazz-Schmiede statt und der Eintritt ist frei.




