Rezensionen

Interview „… ein großes Stück Freundschaft?“

Interview geführt von Katja Panyutina

Die vier Wuppertaler Tänzer Safet, Miro, Nicola und Tatiana haben bei ARTig mit dem Tanzstück „…ein großes Stück Freundschaft?“ die Zuschauer begeistert. Vor ihrem zweiten Auftritt traf ich die zwei Tänzerinnen der Gruppe – Nicola Bautz und Tatiana Feldman zu einem Interview.

Ihr hattet gestern Premiere mit eurem Tanzstück „..ein großes Stück Freundschaft“. Wie habt ihr den Abend ausklingen lassen?

Nicola: Ziemlich ruhig eigentlich…

Tatiana: Ja, eigentlich relativ ruhig, da wir wussten, dass wir jetzt heute noch eine Vorstellung haben und da darf man’s natürlich nicht so übertreiben. Aber ein bisschen was trinken gegangen, ganz ruhig noch gequatscht …

Nicola: Ja, ich bin direkt nach Hause, ich musste heute morgen um acht Uhr in die Schule. Aber ja, heute wird gefeiert.

Tatiana: Heute wird gefeiert!

Nicola: Heute hat auch einer von uns Geburtstag – heute wird auch Geburtstag gefeiert.

Euer Stück ist sehr emotional – beruht es auf persönlichen Erfahrungen?

Tatiana: Nur! Denn die Idee war es, dem Zuschauer nahe zu bringen, dass jeder von uns und von ihnen diese Situation erlebt hat, da das Stück ja wirklich nicht als Geschichte gezeigt wird, sondern eher die Facetten einer Freundschaft. Und die kennt jeder von uns: Streit, Liebe, Auseinandersetzungen. Es gibt immer und überall in jeder Freundschaft sowas und klar – da ist es natürlich auch am schönsten zu tanzen, was du selber erlebt hast.

Nicola: Ja, was uns jetzt auch wichtig war: es sind Sachen von uns, Sachen die uns bewegt haben. Denn wir wissen ganz genau, dass andere Leute sich damit identifizieren können.

In der Aufführung gibt es ein russisch-sprachiges Musikstück – wie seid ihr darauf gekommen?

Tatiana: Ich bin selbst Russin. Und das Stück, diese Szene hatte sehr viele Durchläufe gehabt und sehr viele Veränderungen am Anfang. Das Stück, ich kenne es schon ziemlich lange, ich kenne es in- und auswendig. Ich habe es meinen Leuten sogar mal übersetzt – ich habe gesagt: setzt euch mal hin, macht die Augen zu, ich erzähl euch mal was davon. Und ich hatte das meinem besten Freund gezeigt. Er hat sich sofort in das Lied verliebt, es kam nach und nach und wurde immer wieder verändert.

Und jetzt zur Gruppe selbst: Wie ist sie entstanden?

Nicola: Wir sind selber alle befreundet einfach. Es ist ein Stück über Freundschaft, von Freunden.

Tatiana: Wir drei – Safet, Nicola und ich – wir waren von Anfang an dabei, Safet und ich haben das Stück geschrieben. Und Miro – das war eine richtig interessante Sache, den kennen wir eigentlich noch nicht so lange. Aber es war von Anfang an auch wieder so eine enge Freundschaft, wofür ich super dankbar bin. Und er ist vor kurzem erst auch eingesprungen.

Nicola: Unser Retter in der Not!

Tatiana: Unser Retter in der Not. Und hat super viele schöne Ideen mit rein gebracht. Wir tanzen alle, wir haben uns auch durch Tanzen kennen gelernt. Und das war auch die perfekte Gelegenheit, dass wir alle mal als Grüppchen was zusammen machen, was Eigenes.

Nicola: Wir mussten aber auch selbst im Stück kennen lernen, dass Freunde, die man als verlässliche Freunde ansieht, nicht so verlässlich sind, wie man sich das gedacht hat.

Tatiana: Ganz genau.

Nicola: Und auch vieles den Bach runter gegangen ist. Wo wir schon zusammen gesessen haben und uns gedacht haben: Oh Gott, wie sollen wir das alles schaffen, die Leute springen uns alle ab, oder wir müssen die rausschmeißen, weil die einfach nicht kommen zu den Proben.

Tatiana: Am Anfang waren wir eine Gruppe von sechs Leuten. Jetzt sind wir vier, waren teilweise auch drei.

Ihr seid ja eine Wuppertaler Gruppe – ihr habt bei den Netzwerktreffen erzählt, dass ihr mal in der Fußgängerzone in Wuppertal geprobt habt …

Tatiana: Als wir nur so damals getanzt haben, haben wir sehr oft einfach auf der Straße getanzt … Wir haben einfach nicht die Möglichkeiten. Und am Anfang dieser Proben war es sehr anstrengend für uns, weil wir keinen Proberaum hatten und haben uns gedacht: Ok! So, Leute. Wir müssen jetzt anfangen zu proben. Wenn’s sein muss, solange es warm ist, dann auf der Straße. Ich hatte dann teilweise noch ein bisschen Hilfe vom Kulturamt bekommen, wo ich dann angerufen hatte, und wir hatten auch eine gewisse Zeit lang einen kleinen Raum bekommen, aber man muss sich halt seine Möglichkeiten suchen.

Nicola: Ja, und das Premieredatum rückt näher, auch wenn man keinen Raum hat. Man hat ja nicht umsonst von Mai bis November Zeit.

Tatiana: Ja klar, aber es ist halt schwer, wie gesagt – wenn man in keinem Verein tanzt, dann ist es super schwer, was zu finden, wo du Hilfe kriegst. Aber man boxt sich durch.

Wie geht’s bei euch nach dem Festival mit dem Tanzen weiter?

Tatiana: Es ist so: einige von uns tanzen in der Company hier in Düsseldorf von unserer Mentorin aus, von Amelie – und da geht’s natürlich auf jeden Fall weiter. Einer von uns ist jetzt bei der Folkwang, studiert dort. Und wir restlichen –

Nicola: – Sind auf dem Weg dahin –

Tatiana: Genau, wir Restlichen machen jetzt nächstes Jahr Aufnahmeprüfungen in verschiedenen Tanzhochschulen. Es ist auf jeden Fall unser aller Ziel, professionell zu tanzen.

Ok, und eine letzte Frage: Was ist wichtiger, Freundschaft oder Liebe?

Nicola: Es muss einen Kompromiss geben. beides ist wichtig, und für mich persönlich ist beides lebenswichtig. Jetzt in der Jugend ist es schwierig, beides unter einen Hut zu bekommen, aber es ist wichtig. Freunde sind immer da, aber wenn man dann den Partner gefunden hat, der auch immer da sein wird – das sind Leute mit denen man sich umgeben will und davon darf man niemanden vernachlässigen, meiner Meinung nach.

Danke euch für dieses Interview und viel Erfolg bei eurem zweiten Auftritt und für die Zukunft.

Die Tanzgruppe ist nur durch Zufall auf den ARTig-Ideenwettbewerb gestoßen. Zwei von ihnen waren an dem Tag in der Düsseldorfer Altstadt, als dort ARTig-Flyer verteilt wurden. Sie bewarben sich und wurden angenommen.

Foto: Katja Panyutina