Rezensionen

Inception

Von Katharina Mannel

<b>Alles nur ein Traum? Wie Christopher Nolan uns mit „Inception“ einen Gedanken einpflanzt</b>
Der Regisseur Christopher Nolan ist spätestens seit der schaurigen Batman Verfilmung „Dark Knight“ kein unbekannter mehr. Aber auch schon zuvor strapazierte er unsere Sehgewohnheiten mit Filmen wie Memento, in der eine Ereignisspur vorwärts und die andere rückwärts lief. Aber in seinem neuesten Filmrätsel „Inception“ geht er noch einen Schritt weiter, vom Bewusstsein und vom Gedächtnis geht es zum Unbewussten und zu unserem persönlichsten Schatz, unseren Träumen.

„Inception“ erzählt die in einer nicht allzu fernen Zukunft spielende Geschichte einer Gruppe von Gaunern und Schwarzmarkthändlern, die sich mittels Narkotika und einer obskuren Apparatur in die Träume prominenter Wirtschaftsbosse schleicht, um dort Informationen zu extrahieren. Es kann also jemand in mein Unterbewusstes eintauchen und sich an allen Informationen bereichern, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Symbolisch wird die gesuchte Information in einem Tresor abgelegt und die Gang muss im Unterbewusstsein des anderen versuchen diesen zu öffnen und die Information an sich zu nehmen. Anführer der Gang – und talentiertester Anwender des Traumbetrugs – ist Cobb, fähig und gleichzeitig gehetzt, etwas verschweigend und doch alles fordernd. In psychisch angespannter Manier wird er gespielt von Leonardo DiCaprio.

Der Industrielle Saito (Ken Watanabe) ist das nächste Opfer der Gang, aber er stellt die Extraktions-Fähigkeiten Cobbs und seines Partners Arthur (Joseph Gordon-Levitt) in der furiosen, mehrere Traumebenen wechselnden Anfangssequenz des Films auf die Probe, bevor er Cobb ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: Statt Informationen zu stehlen, soll er einen Gedanken in das Unterbewusstsein eines Konkurrenten Saitos einpflanzen. Das Ziel: Der junge Firmenerbe Robert Fischer (Cillian Murphy) soll das Imperium seines Vaters, Saitos Gegenspieler, zerschlagen, statt es weiter wachsen zu lassen. Er muss nur noch auf die Idee kommen – fremdgesteuert, und doch wie von selbst. „Inception“ heißt dieses Verfahren unter Traumdieben – es gilt als riskant, kompliziert und gefährlich.

Um in Fischers Geist Überzeugungsarbeit zu leisten, konstruieren Cobb und sein Team drei übereinanderliegende Traum-Ebenen, in die das schlafende Opfer nach und nach transportiert wird. Das Unternehmen ist tatsächlich nicht ohne Risiko, denn durch die tiefe Betäubung laufen alle Beteiligten Gefahr, nie wieder zu erwachen, sondern sich für immer in den Tiefen ihres Unterbewusstseins, dem “Limbo”, zu verlieren. Je tiefer man in das Unterbewusste gelangt desto schneller vergeht die Zeit – im Limbo können 50 Jahre wie 10 Minuten Realität sein.
Als Zuschauer ist man die ganze Zeit gefordert, um Nolan auf jede Ebene zu folgen. Aber in diesem Film gibt es diesen ganz speziellen Moment, in dem er einfach greift und funktioniert und man mitten drin ist und der Spannungsbogen nicht mehr abzuflachen scheint. Was ist Traum, was ist real und wo befinde ich mich gerade? In welchem Unterbewusstsein gehe ich gerade umher? Entspannt wird es auch am Ende nicht, da Nolan die Frage, ob seine Darsteller nun wirklich aufgewacht sind oder nicht offen lässt.

Der Film spielt mit dem Zuschauer und zeigt ihm wieder einmal die Macht des Kinos, alles in Frage zu stellen. Kennen Sie das, wenn Sie aus einem Traum erwachen, der so intensiv war, dass Sie im ersten Augenblick gar nicht wissen wo Sie sind, was real ist, was geträumt ist? So fühlen sich die Figuren in Christopher Nolans Thriller „Inception“ ständig, und so ähnlich fühlt man sich auch als Zuschauer, nachdem man den Film gesehen hat.

Er hat nun uns einen Gedanke eingepflanzt und wir wissen nicht mehr, wo sich die Darsteller am Ende befinden. In einem Traum oder in der Realität. Ist es echt oder doch alles nur ein großer Traum, bei dem <i>wir</i> einfach angeschwemmt werden und nicht wissen wie <i>wir</i> dort hingekommen sind?

Veranstaltung: Inception