Rezensionen

In ihren Augen

Von Susi-Lili Duchow

Der argentinische Film „In ihren Augen“ des Regisseurs Juan José Campanella, der dieses Jahr den Oscar des besten ausländischen Films gewann, handelt zum einen vom Mord an einer jungen Frau; zudem erzählt er die Geschichte der unerfüllten Liebes des ermittelnden Kriminalbeamten Espósito (Ricardo Darín) und der Anwältin Irene Hastings (Soledad Villamil).

Erzählt werden die beiden Handlungsstränge zunächst parallel aus der Erinnerung Espósitos heraus, der 25 Jahre nach dem unaufgeklärten Mord sein Leben reflektiert und sowohl den Mord an der jungen Frau, als auch seine Liebe zu Irene nicht vergessen kann. Er beginnt einen Roman über diese Zeit seines Lebens zu schreiben. Die Aufklärung des Mordes wurde damals durch die korrupte Polizei verhindert, so dass der von Espósito und Hastings bereits überführte Täter wieder freigelassen wird. Auch die unausgesprochene Liebe der beiden wird verhindert, da Irene bereits verlobt ist und aus einer höheren Gesellschaftsschicht als Espósito stammt. Aufgrund ihrer privaten ausweglos scheinenden Situation und der aufkommenden Militärdiktatur im Argentinien der 70er Jahre, verlieren sich die beiden zusehends aus den Augen, bis Espósito nach 25 Jahren im Zuge von Recherchen für seinen Roman den Kontakt zu Irene Hastings aufnimmt. Zusammen rollen sie den Mordfall von damals noch einmal auf.

Trotz einer Spiellänge von über zwei Stunden schafft es Juan José Campagnella, den Zuschauer gleichzeitig durch Spannung sowie Humor und Romantik zu fesseln und weder Langatmigkeit, noch Kitsch aufkommen zu lassen, sondern stattdessen eine epische Geschichte über menschliche Begierde, Leidenschaft und Abgründe zu erzählen. Außerdem kann der Film als ein politisch historischer Appell an Campagnellas Heimatland Argentinien verstanden werden, in dem die Aufarbeitung der Militärdiktatur immer noch nicht stattgefunden hat.

Veranstaltung: In ihren Augen