– Das Leben ist (k)eine Waldorfschule
Von Dennis Palmen
Eine gute Ausbildung ist noch lange kein Garant für ein gutes Leben. Darauf, dass die elterliche Wahl der Schulform den Sprössling nachhaltig prägen kann, deutet Comedian Horst Fyrguth mit seinem neuen Programm „Das Leben ist (k)eine Waldorfschule“ hin. Relativ unspektakulär erscheint der Eurythmieerprobte, der seinen Namen tanzen kann, auf der zakk-Bühne und wird vom Publikum zuerst nur schüchtern klatschend begrüßt. Kein Problem, es werden einfach zwei Haribotüten in die Menge geworfen und für den nun folgenden zweiten Versuch bittet der Alleinunterhalter freundlich um frenetischen Applaus, denn „heute werden Audioaufnahmen gemacht“.
In den nächsten zwei Stunden spottet Fyrguth meistens über sich selbst und erzählt unter anderem von seiner Kindheit, seiner Pubertät, der alternativen Mutter, seiner Freundin und seinem subjektiv noch tolerierbaren Übergewicht. Die Waldorfschulzeit wird trotz des Programmnamens recht selten erwähnt. Eher zieht Fyrguth seinen schulfernen Alltag oder bestimmte Personen(gruppen) durch den Kakao. Zu alternden Golfspielern fällt zum Beispiel die Frage, ob diese eigentlich wissen, ob sie sich auf der richtigen Seite des Rasens befinden. Witztechnisch wird auch mal die dunklere Humorschiene befahren („Das Wort Eurythmie wird oft mit Euthanasie verwechselt…“) oder ab und an um die Ecke gedacht. Das im Ankündigungstext beschriebene „Noch-um-eine-Ecke-Weiterdenken“ bleibt jedoch eher aus.
Bewaffnet mit einer von selbst spielenden Gitarre inklusive Computerstimme, die den Song anzählt, setzt der Comedian zum Trash-Angriff auf die Ohren des Publikums an. Fehlende Musikalität (und das von einem Waldorfschüler…) wird hier zum inszenierten Gag. Die völlig intonationsfrei vorgetragenen Lieder und das Darstellen absichtlich hervorgerufener Rückkopplungen als Walgesang spricht allerdings nicht alle Zuhörer an.
Fyrguths lockeres Springen zwischen den Themen und Anekdoten ist oft unterhaltsam, aber gleichzeitig auch die größte Schwäche des Programms. Zwar bemüht der Comedian sich, den Namen der titelgebenden Schulform möglichst häufig zu nennen, tatsächlich geht es aber meistens eher um keine als um eine Waldorfschule und man fragt sich, ob denn überhaupt ein roter Faden beabsichtigt war. Dass nicht jeder Witz zündet, hängt auch mit dem recht verhaltenen Publikum zusammen, einen Applaus wie das gummibärchenkonditionierte Ausrasten zu Beginn des Abends hört man selten.
Kleine Strukturschwächen und reaktionsarme Zuschauer weiß Fyrguth jedoch charmant zu überspielen. Wenn er eines in der Waldorfschule gelernt hat, dann ist es, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und gut gelaunt zu bleiben. Und wer als Zuschauer den Titel des Programms nicht allzu ernst nimmt und kein überstrenges musikalisches Gehör besitzt, verlässt nach dieser Veranstaltung gut gelaunt und mit leichtem Bauchmuskelkater das zakk.




