Rezensionen

Henriette & Matisse // Take-off-Festival // 05.02.12

Die Vollkommenheit von Form und Farbe

Von Kathrin Serong

Was ist entscheidender für das Werk eines großen Malers: Die Farbe oder die Form? Die französische Kompanie „Kelemenis & Cie“ gab nun im Rahmen des Take-off-Festivals im tanzhaus nrw in ihrem Stück „Henriette und Matisse“ Antwort auf diese Frage.

„Henriette und Matisse“ beschäftigt sich mit dem Künstler Henri Matisse und seinem Modell Henriette. Vier Tänzer, zwei Frauen und zwei Männer, performen auf der Bühne. Einer der Männer stellt den Künstler Henri Matisse dar und eine Frau das Fräulein Henriette während die anderen beiden Tänzer Pinsel verkörpern, nämlich zum einen den Farbpinsel und zum anderen den Zeichenpinsel. Während Matisse versucht, Henriette in die richtige Pose zu rücken, streiten sich der Farbpinsel und der Zeichenpinsel um die Vorherrschaft. Im weiteren Verlauf des Stückes wird Matisse direkt in den Streit der Pinsel mit eingebunden. Er fällt schließlich zu Boden.

Während der Maler Henri Matisse nun vorerst auf dem Boden liegt und es scheint, er habe den Kampf mit den Pinseln verloren, beschäftigen sich die Pinsel mit Henriette. Zuerst begutachten sie sie und danach bewegen sie sich im Einklang mit ihr. Eine sehr harmonische Tanzperformance wird dadurch hervorgerufen. Dies zeigt deutlich, dass sowohl der Farbpinsel als auch der Zeichenpinsel gleichermaßen wichtig sind, um Harmonie und Vollkommenheit in einem Werk zu erzeugen.

Das Stück endet mit der Erschaffung des Werkes „Der blaue Akt“ von Henri Matisse. Drei der Tänzer verkörpern den „blauen Akt“ und Matisse hält diese schlussendlich in einem Rahmen aus Papier fest. Auf diese Weise zeigt die Kompanie „Kelemenis & Cie“ die Vollendung eines der größten Werke von Henri Matisse und gleichzeitig auch, dass sowohl Farbe als auch Form und Kontur für ein Werk ausschlaggebend sind. Wenn man etwas betrachtet, sollte man nicht nur von einem Blickwinkel aus urteilen, sondern die Sache auch mal aus einer anderen Sichtweise beleuchten, um zu erkennen, dass es weder „wichtig“ noch „unwichtig“ gibt. Erst die Betrachtung einer Sache in ihrer Gesamtheit entscheidet darüber, welche Meinung sich ein Mensch dazu bildet.

Foto: Agnes Mellon

Veranstaltung: Henriette & Matisse