Rezensionen

Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte

Von Susi-Lili Duchow

Mit seinem Regiedebut zeichnet der Comiczeichner Joann Sfar fast zwanzig Jahre nach dem Tod Serge Gainbourgs dessen Lebensgeschichte, in der Realität und Phantasie nah beieinander liegen. Aufgewachsen im besetzten Frankreich entwickelt sich der jüdische Maler Lucien Ginsburg zu einem berüchtigten Charmeur. Er gibt die Malerei auf, um seine Nebentätigkeit als Bar-Pianist zum Beruf zu machen und nimmt den Künstlernamen Serge Gainsbourg an.

Als erfolgreicher Autor verruchter Chansons macht er vor allem mit seinen Alkoholeskapaden und seinen namenhaften Liebschaften von sich reden, so etwa eine Affäre mit Brigitte Bardot (gespielt von Laetitia Casta). Verfolgt wird er sein turbulentes Leben lang in seiner Phantasie von einer Judenkarikatur, die sich als „Fresse“ zeigt und seine Entscheidungen bestimmt. Die „Fresse“ wird als dunkle Seite im Charakter Gainsbourgs dargestellt, durch die die rein biografische Ebene des Films verlassen wird und eine skurril-surreale Phantasiewelt betreten wird.

Authentisch wirkt Gainsbourg vor allem durch Schauspieler Éric Elmosnino, der dem echten Gainsbourg nicht nur ähnlich sieht, sondern durch seine Gesten der Wirkung dessen sehr nahe kommt. Die Komposition von Filmmusik, Schauspielerensemble und Drehbuch machen „Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte“ zu einem sehenswerten Film, der die abgründige Geschichte eines Mannes durch seinen Charme ohne Schwermut erzählt.