Rezensionen

Frank Sparing: »… Wegen Vergehen nach § 175 Verhaftet«

von Sandra Martelock

Am Donnerstag, dem 16.12.2010, hat im Rahmen eines Proseminars der Heinrich-Heine-Universität ein für alle Interessierten offener Vortrag im zakk-Studio stattgefunden, den Historiker Frank Sparing gehalten hat. Trotz des starken Schneetreibens füllte sich das zakk-Studio sehr gut. Etwas später als geplant wurde dann auch der Historiker begrüßt; sein Vortrag begann. Es herrschte gespannte Stille im Raum, jeder hörte aufmerksam zu. Frank Sparing hat bisher mehrere Bücher veröffentlicht, darunter auch „Wegen Vergehen nach §175 verhaftet“. Zur Recherche dieses Buches hat er viele Akten von der Polizei und aus dem Hauptstaatsarchiv verwendet. §175 handelt von der Schwulenverfolgung. Herr Sparing bezieht sich in seinem Vortrag auf die Schwulenverfolgung in Düsseldorf, mit dem Schwerpunkt, wie dies zu der Zeit des Nationalsozialismus ausgesehen hat.

Die Quellenlage zu dieser Forschung ist sehr schlecht, da nur ungefähr 60-70% der Akten erhalten sind. Düsseldorf hat in der Schwulenverfolgung eine Sonderposition, da es hier in der NS-Zeit besonders auffällig gewesen ist. Während zuvor ein sehr liberales Klima geherrscht hat, wurden 1933 alle Zeitschriften verboten, auch die Lokale. Gute Polizeiarbeit wurde an der Schwulenverfolgung gemessen und Düsseldorf war gut in Polizeiarbeit. In Düsseldorf war die Klinik, die für das gesamte Rheinland zuständig gewesen ist. Dort wurden viele Kastrationen durchgeführt. Das Gesetz hat „freiwillige“ Kastrationen vorgesehen, doch war die Alternative oft das KZ. Dort stand Verurteilten wegen §175 eine härtere Behandlung bevor als allen anderen Insassen. Sie mussten besonders schwere Arbeiten verrichten und waren vermehrt Misshandlungen ausgesetzt. Ihre Überlebenschance war sehr gering. Selbst wenn sie das KZ überlebten, war ihre Lebensgrundlage zerstört. §175 existierte in der BRD noch bis zur Wiedervereinigung und es gab bis zu diesem Zeitpunkt noch Verurteilungen, die sich allerdings meistens auf den Schutzparagraphen bezogen. Das Schutzalter bei Homosexuellen lag höher als bei Heterosexuellen, nämlich bei 25 Jahren.

Der gesamte Vortrag dauerte etwa 45 Minuten. Im Anschluss fand eine Fragerunde statt, in der jeder seine Fragen stellen konnte. Frank Sparing hat eine sehr ruhige Vortragsweise, der man gut folgen kann. Er redet sehr frei und wirkt dabei sehr kompetent. Er hatte sein Skript als Leitfaden vor sich liegen, hat aber sehr wenig vorgelesen. Für alle Interessierten des Themas ein guter Vortrag. Der Vortrag erforderte kein großes Vorwissen und war gut verständlich aufgebaut. Es herrschte generell eine sehr angenehme, gute Atmosphäre. Die Stühle waren gut besetzt, dennoch blieb es nicht anonym: In der Fragerunde konnte jeder ausreden und seine Fragen formulieren, ob zu einer bestimmten Stelle im Vortrag oder Allgemein zum Thema. Es wurde sich für jede Frage Zeit genommen und alles wurde möglichst gut beantwortet. Im Anschluss konnte man sich dann noch in der Kneipe zusammen setzen und unterhalten.

Alles in allem ein sehr gelungener, informativer Abend.