Rezensionen

Fish Tank

Von Susi-Lili Duchow

Der bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2009 mit dem Preis der Jury ausgezeichnete Film „Fish Tank“ der britischen Regisseurin Andrea Arnold (die für das Drama den Preis der Besten Regie der British Independent Film Awards 2009 erhielt), handelt vom Schicksal der 15-jährigen Mia, die mit ihrer kleinen Schwester bei ihrer allein erziehenden Mutter in einem Vorort von Essex lebt.

Mias trister Alltag (gespielt von Laiendarstellerin Katie Jarvis) im englischen Plattenbau wird bestimmt von Gewalt, finanzieller Not und sozialen Problemen innerhalb der Familie, die zu Unzufriedenheit sowie der Suche nach Trost in Alkohol und kurzlebigem Amusement führen. Die Perspektivlosigkeit ihres Umfelds verarbeitet Mia im Tanz, den sie als Mittel des Ausdrucks wählt, und der Identifikation mit der Jugendkultur des Hip-Hop und Breakdance.

Als Mias überforderte Mutter ihren neuen Freund Connor mit nach Hause bringt, verändert sich Mias Leben. So übernimmt Connor zunächst die Vaterrolle in der Familie, die jedoch von der sich entwickelnden Liebesbeziehung zu Mia ersetzt wird, die zur Trennung Connors von der Familie führt. Mia, die in seiner Anwesenheit das erste Mal Sicherheit und Geborgenheit gespürt hat, akzeptiert diese Entscheidung nicht und bricht in Connors Haus ein und stellt fest, dass Connor selbst eine Familie hat. Desillusioniert und unmittelbar wird in „Fish Tank“ die Ausweglosigkeit eines jungen Mädchens geschildert, dessen Entkommen aus einer perspektivlosen Gesellschaft nur durch einen Abbruch der Vergangenheit und einem Neuanfang möglich ist. Diese Entwicklung wird streckenweise etwas langatmig erzählt, trotzdem überzeugt das britische Jugenddrama durch tragikomische Elemente, eine überzeugende Hauptdarstellerin und eindrucksvolle Kameraperspektiven.

Veranstaltung: Fish Tank