Rezensionen

Es war einmal … – Lesung mit Nadine Horn

Interview geführt von Madeleine Schmidt

Nadine Horn überzeugte auf dem 7. ARTig-Festival Jung und Alt davon, dass Märchen mehr als Kindersache sind. Doch wie kam die Langenfelderin zu ihrer Leidenschaft für fantastische Geschichten, Feen und andere merkwürdige Geschöpfe?

Wie wurdest du auf ARTig aufmerksam und was hat dich dabei vorallem an der Sparte Literatur gereizt?

Nadine: Aufmerksam wurde ich durch eine Freundin, die meine Schreibfreude kennt und mir die Internetseite von ARTig empfahl. Literatur, aber vor allem kreatives Schreiben ist seit ich denken kann ein großes Hobby von mir. Ich schreibe viel in meiner Freizeit, also war für mich von Anfang an klar: Sparte Literatur muss es sein.

Was hat dich dazu bewegt, ausgerechnet Märchen in den Mittelpunkt deiner Texte zu rücken?

Nadine: Ich mag Märchen von Klein auf und war schon immer ein Fan von Grimm & Co. Sie machen einen Großteil meiner Kindheit aus und diesen Teil habe ich mir versucht zu bewahren.

Wenn du schon die Brüder Grimm ansprichst: Sind es nur die beiden, die dir deinen Ideen zu deinen märchenhaften Texten liefern?

Nadine: Nein, nicht nur. Die Grimm’schen Märchen sind neben Andersen zwar meine Favoriten, aber auch viele andere Bücher aus der Kindheit haben mich geprägt. Ich denke da vor allem an Peter Pan, Alice im Wunderland …

Was sagst du: Inwiefern unterschieden sich deine Märchen von denen deiner Vorbilder und Inspriationsquellen?

Nadine: Zum einen sind sie etwas ausführlicher. Normalerweise ist ein Märchen recht kurz und seine Hauptfiguren flach. In „Der Rabenprinz“ zum Beispiel spielen die Gedanken und Gefühle des Prinzens eine Rolle, was beim klassischen Märchen so gut wie nie auftritt. Und zum anderen … irgendwie fehlen meinen Märchen die Happy-Ends.

Sind Märchen ohne Happy-Ends noch wirklich Märchen? Dabei weiß doch jedes Kind, dass der Lieblingsheld am Ende überlebt und „alle bis ans Ende ihrer Tage glücklich und zufrieden zusammenleben“. Ist es deine Art zu zeigen, dass deine erdachten Geschichten für eine ganz andere Zielgruppe bestimmt sind?

Nadine: Eigentlich ist es schwierig zu sagen, ob Märchen überhaupt eine Zielgruppe haben. Wenn ich an die Originalfassung des ersten Märchenbuchs der Gebrüder Grimm denke … überhaupt nicht kinderfreundlich. Ich war immer der Ansicht, dass man nie zu alt ist für Märchen, dass sie für Jung und Alt gedacht sind. Und manchmal kann man vielleicht besser von einem Märchen ohne Happy-End lernen. Sie vermitteln immer eine versteckte Botschaft und ich wollte sie so realistisch wie möglich halten. Träume sind wichtig, Traumschlösser wollte ich trotzdem nicht bauen. Außerdem gibt es viele bekannte Märchen ohne ein gutes Ende, zum Beispiel Andersens kleine Meerjungfrau.

Was für eine Botschaft wolltest du mit deiner zum ARTig-Festival vorgetragenen Geschichte „Der Fall der Königin“ übermitteln?

Nadine: Bevor ich dieses Märchen began zu schreiben, hatte ich immer ein Bild vor Augen: Amors Pfeil! Ein kleiner Gott, der mit seinen Pfeilen Menschen trifft, die sich dann ineinander verlieben. Mir kam der Gedanke: Kann man das auch wörtlich nehmen? Amors Pfeil trifft mitten ins Herz, nur dass man daraufhin nicht liebt, sondern stirbt. Die Hexe des Märchens verwandelt sozusagen die Grundidee von Amor in einen Fluch. Sie versucht die böse Königin dazu zu bringen zu lieben und ihr damit eine Lektion zu erteilen. Das Märchen soll zeigen, wie mächtig Gefühle sein können, dass Liebe wertvoll ist, aber gleichzeitig auch schmerzen und viel anrichten kann – sowohl Gutes als auch Böses.

Kannst du das Gefühl beschreiben, wie es ist, wenn man auf einer Bühne steht, angeleuchtet wird, der Saal ruhig ist und allen nur den eigenen Worten lauschen?

Nadine: Man ist natürlich sehr aufgeregt. Am schlimmsten ist der Moment, wenn man auf die Bühne geht, sein Mikro zurecht rücken muss und den Text hastig vor sich ausbreitet. Aber wenn man dann soweit ist, gilt meine ganze Konzentration dem Text, den ich so lebendig wie möglich lesen will. Beim Lesen verschwindet die Nervosität, man sieht nur noch die Worte vor sich und vergisst die Gedanken ums Publikum. Und das ist der Moment, an dem ich immer wieder merke, dass es Spaß macht seine Geschichten anderen vorzutragen.

War ARTig ein Anstoß für Weiteres oder legst du die Schreibfeder nun zur Seite und klappst die Buchdeckel deines eigenen Märchenbuchs zu?

Nadine: Die Schreibfeder werde ich wohl nie zur Seite legen. Das Schreiben gehört zu mir, genauso wie Märchen immer zu mir gehören werden, da gehen mir die Ideen einfach nicht aus. ARTig allerdings ist für mich auf jedenfall ein weiterer Anstoß zu versuchen meine Geschichten auf die Bühne zu bringen. Im Grunde habe ich immer nur für mich selbst geschrieben, aber das Mitwirken bei ARTig hat mir gezeigt, dass man seine Ideen auch präsentieren will und vor allem das es riesigen Spaß macht.

Herzlichen Dank für dieses Interview, Nadine. Für deine weitere kreative Laufbahn wünschen wir dir alles Gute.