Von Anne Heringhaus
Wenn im Fernsehen mal wieder nichts läuft, dann kann man zur Abwechslung mal alternativ kulturelle Unterhaltung genießen. So die Botschaft des Werbeslogans für „Trio mit vier Leuten“. Vier Kabaretttreibende sitzen auf der Bühne, alle nebeneinander im Pressekonferenzstil, aber nur drei haben ein Mikrophon. Katinka Buddenkotte, Moderatorin – und heimliche Gastgeberin des Abends – mit ihren Bühnenfreunden Markim Pause und Dagmar Schönleber sowie mit Matthias Reuter am Klavier (dort mit eigenem Mikrophon) und daneben die Band Bloody Boszinsky Brothers. Ein vielversprechendes neues Abendprogramm mit einer Mischung aus Literatur und Musik im zakk.
Die Band leitet den Abend mit einem Cover von „Trio mit vier Fäusten“ ein und auch Katinka Buddenkotte scheint das Publikum in vertrauter Atmosphäre zu wiegen, während auf den kleinen Bistro-Tischen Knabbergebäck steht. Statt der Fernbedienung switchen die Vortragenden in geplanter Reihenfolge und tragen ihre Texte und Lieder vor. Eigentlich wie zu Hause, wäre da nicht die klassische Trennung in Bühne und Publikum mit Bestuhlung. Die Werke der Vortragenden thematisieren Alltagsgeschehnisse in Schule oder beim Kindergeburtstag, gleiten ab in die Fantastik wie beim „Rasenmäher“ oder persiflieren Bands und frischgebackene Eltern von Handys. Auch im zweiten Teil des Abends findet sich der Zuschauer wieder, denn wer hat sich nicht einmal selbst gegoogelt oder über seine letzte Mathearbeit gegrübelt. Auch Matthias Reuter singt wieder am Klavier, über die fiktive Geschichte einer möglichen Patt-Wahl in NRW.
Die Runde wie die Unterhaltung der Band, die auch bei den Interludes bei Klassikern verweilt, ist nett. Aber leider, trotz Spontaneitäten, nur nett. Eingespielt, aber leider nicht außergewöhnlich. So geben Markim Pause und Katinka Buddenkotte zu, einige Texte erst „diese Nacht“ oder „heute Nachmittag“ geschrieben zu haben. Was sich zunächst nach einem Geständnis unter Freunden oder genialem Geistesblitz in müden Stunden des Tages anhört, klingt schnell wie ein „ich habe die Hausaufgaben gerade noch schnell in der Pause gemacht“. Also: Etwas lieblos geschrieben und Hauptsache schnell zum Abendprogramm fertig. Auch als die Reaktion vom Publikum abgefragt wird, bleibt es bei Pädagogen und Köln-Düsseldorf-Sticheleien. Aber genau solche Erwartbarkeiten wollte der Abend doch, laut Claim, dem Fernsehen nicht nachmachen, sondern ihm etwas entgegen setzen! Wo sind also die neuen Musikklänge statt dem Retrosound und die Vorträge, die überraschen? Geschichten von „Schakkelines“ im Asi-Slang oder abgedrehte, aber nicht zu Ende gedachte Ideen, sieht man im TV-Abendprogramm leider ebenso, wie den ewigen Praktikanten oder provozierende Charlotte-Roche-Themen. Wollen wir hoffen, dass der Abend im zakk nur das Warmwerden mit Band und Bühne war. Im Fernsehen würde man sagen: Die Quote war hoch, ein Fortbestehen des Formats ist erstmals gesichert. Ein nächstes Zusammentreffen gibt es im Juni, im zakk und mit dem „Trio mit 4 Leuten“ während die Fernsehshows bekanntlich alle Sommerpause machen.




